Symptome
Ängste machen sich in Gedanken, im Verhalten und im körperlichen Befinden bemerkbar. Es besteht eine innere Spannung und Ruhelosigkeit, obwohl keine sichtbare und unmittelbare Gefahr besteht. Bei einer Phobie werden häufig konkrete Situationen vermieden. Es kann aber auch beständig ein diffuses Unwohlsein bestehen, die Gedanken kreisen vermehrt um Befürchtungen der Zukunft. Viele Betroffene schlafen schlecht und haben Beschwerden im Magen-Darm Bereich oder auch Herzbeschwerden.
"Mein" Krankheitsverlauf
Angefangen hat alles vor fünf Jahren, damals wurde mir im Kaufhaus schwindelig und ich bekam nicht mehr richtig Luft. Eine Untersuchung beim Arzt verlief ergebnislos. Ich hatte danach aber immer ein mulmiges Gefühl im Bauch, wenn ich wieder in ein Kaufhaus ging. Zuerst bin ich trotzdem gegangen, später nur noch, wenn mein Mann mitging. Alles wurde immer mehr zum Alptraum. Ich nahm Beruhigungsmittel, doch die halfen in den meisten Fällen auch nur für ein paar Stunden. Ich wurde dann immer häufiger unruhig und habe auch bei der Arbeit Angstzustände bekommen. Wenn es ganz schlimm war, habe ich mich nicht mehr aus dem Haus getraut. Manchmal habe ich daran gedacht, mich umzubringen, aber die Gedanken an meine Kinder und meinen Mann haben mich davon abgehalten.
Behandlungsprogramm
Angsterkrankungen lassen sich unterteilen in die Panikstörung, bei der Angst aus heiterem Himmel kommt, die Agoraphobie, einer Angst aus dem Haus zu gehen oder bestimmte Plätze meist mit vielen Menschen aufzusuchen oder Verkehrsmittel zu benutzen. Daneben gibt es die soziale Phobie mit Ängsten mit oder vor anderen zu sprechen, deren Blicke auszuhalten und die Generalisierte Angststörung, bei der sorgenvolles Grübeln und Anspannung das Leben bestimmen.
Am Anfang der Therapie steht die Problem- und Verhaltensanalyse und Erarbeitung eines individuellen Bedingungsmodells der Störung. Das Behandlungsprogramm in der Brunnen-Klinik ist bei Angststörungen kognitiv-verhaltenstherapeutisch ausgerichtet. Ein wichtiges Prinzip ist es, sich angstauslösenden Situationen unter kontrollierten Bedingungen gezielt auszusetzen, um die Erfahrung zu machen, dass sich die Angst aushalten und zurückdrängen lässt. Dies lässt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, das bei Angsterkrankungen in Mitleidenschaft gezogen wird, wieder wachsen. Daneben sind Entspannungsverfahren wichtig, um die mit Angst einhergehende Anspannung wirkungsvoll zu verringern. In Einzel- und Gruppenpsychotherapie geht es auch darum, sich mit den Auswirkungen der Angstkrankheit auf Beruf und Privatleben auseinanderzusetzen und wieder zu mehr Lebensqualität zu finden.
Musterbehandlungsplan
Die Gruppentherapie findet 3 mal wöchentlich statt, ergänzt um Einzelgespräche und die bei der Psychotherapie von Angsterkrankungen besonders wirkungsvollen Übungen in angstauslösender Umgebung. Weiterhin kommt Entspannungstherapie in Form von Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung, Qi Gong oder Biofeedback zur Anwendung, um die Anspannung zu verringern. Sport dient dazu, das Vertrauen in den eigenen Körper wiederzugewinnen. Freizeitpädagogische Angebote schaffen den wohlverdienten Ausgleich zu den Angstübungen, um sich nach den ersten Erfolgen in der Therapie auch etwas zu gönnen.
Wirksamkeit
Die kognitiv-verhaltenstherapeutische Angstbehandlung mit dem Üben angstauslösender Situationen gehört zu den wirkungsvollsten psychotherapeutischen Behandlungsverfahren überhaupt. Teilweise ist daneben eine gezielte Behandlung des Grübelns nötig, teilweise müssen Ängste, die nur für sehr aufwändige Übungen geeignet sind, wie Flugängste oder Ängste Auto zu fahren, statt dessen durch Übungen mit speziellen Bildschirmpräsentationen verringert werden. Die medikamentöse Behandlung von Angsterkrankung ist für uns allenfalls eine Ergänzung zur Psychotherapie und geschieht nur nach Absprache mit den Betroffenen.
Nachsorge
Damit die durch den Klinikaufenthalt erreichten Ziele erhalten und weiter verbessert werden, ist es für viele Betroffene wichtig, auch zuhause eine Unterstützung zu erhalten. In jedem Fall wird der Hausarzt durch uns entsprechend informiert und kann alles weitere mit dem Patienten koordinieren.
Für diejenigen, die im Erwerbsleben stehen, dient die Durchführung einer stationären Rehabilitation immer auch dem Ziel des Erhaltes der Arbeitskraft oder dem Versuch der Reintegration in das Erwerbsleben. Um diesen Prozess am Heimatort zu sichern und fortzuführen hat die Deutsche Rentenversicherung an vielen Orten ein Rehabilitations-Nachsorgeprogramm eingeführt. Dabei soll insbesondere die Gewissheit, selbst etwas bewirken zu können und die Regenerationsfähigkeit nachhaltig gestärkt werden. Um dies zu erreichen wird im Rahmen von bis zu 25 Gruppensitzungen die Stressbewältigungskompetenz und die Entspannungsfähigkeit im Umgang mit beruflichen und persönlichen Aufgabenstellungen gesteigert.
Darüber hinaus kann auch die Kontaktaufnahme zu Selbsthilfeorganisationen unterstützt werden. Adressen von regionalen Selbsthilfegruppen werden zur Sicherung eines langfristigen Therapieerfolges gerne vermittelt. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
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