Symptome
Die Betroffenen leiden unter verschiedenartigen, hartnäckigen körperlichen Beschwerden, für die sich auch nach ausführlichen und aufwändigen Untersuchungen keine organische Ursache finden lässt. Dies können die Betroffenen nicht akzeptieren, leiden sie doch unter körperlichen Beschwerden. Oft fühlen sich die Patienten vom Arzt nicht ernst genommen, erleben den Hinweis auf eine mögliche psychische Ursache der Beschwerden als Kränkung, suchen einen weiteren Arzt auf und verursachen so erhebliche Kosten im Gesundheitswesen durch wiederholte apparative Untersuchungen, ohne dass sie wirkliche Hilfe erfahren. Oft werden von den Betroffenen auch die Dienste von Heilpraktikern in Anspruch genommen, oder es finden chirurgische Eingriffe zur Abklärung statt.
„Mein“ Krankheitsverlauf
„Früher konnte ich alles essen. Dann bekam ich diesen Blähbauch, fühlte mich voll, hatte Bauchschmerzen, Durchfall hatte ich hin und wieder auch. Manchmal war ich richtig schlapp, die Beine taten mir weh, ich hatte ein leichtes Zucken an verschiedenen Stellen. Nach jedem Wasser oder Tee musste ich gleich aufs Klo rennen. Das kannte ich gar nicht von mir. Ich fing an mir richtig Sorgen zu machen. Meine Frau hat am Anfang gar nichts davon wissen wollen, meinte ich sähe ja nicht krank aus. Als mir dann aber nach dem Essen auch übel wurde, konnte sie sehen, wie kreidebleich ich war, dann hat sie nur noch Essen gemacht, was ich auch vertragen konnte. Ich dachte, das kann doch nicht so weiter gehen, habe mich mit den Blähungen auch nicht mehr in die Kantine getraut. Schlapp wie ich war, wusste ich sowieso nicht wie ich die Arbeit noch packen sollte. Da bin ich zum Hausarzt, Ultraschall, Bauch ist in Ordnung, aufs Fahrrad hat er mich gesetzt, EKG ist in Ordnung. Ich habe mich doch glatt wie ein Simulant gefühlt. Die Beschwerden habe ich mir ja wohl nicht eingebildet. Ich bin zum Spezialisten, der sagt auch noch, die Beschwerden könnten psychischer Natur sein. Da bin ich fast über den Tisch gesprungen, ich bin doch nicht verrückt. Ein Kollege hat dann gesagt, geh´ ruhig in eine Psychosomatische Klinik. Die nehmen sich da wenigstens Zeit für dich.“
Behandlungsprogramm
Viele Menschen bekommen psychosomatische Beschwerden, wenn sie sich überlastet haben, Dinge nicht so gut bewältigt haben, wie sie meinen. Wichtig ist hierbei, einerseits einen gelasseneren Umgang mit dem eigenen Körper wieder zu gewinnen, andererseits sich abzeichnende körperliche Beschwerden als Warnsignal zu verstehen, und dann zu schauen, wo belastende Lebensumstände vorliegen. Dabei können Belastungen individuell völlig unterschiedlich sein. In der psychosomatischen Behandlung geht es nun darum, über die körperlichen Beschwerden hinaus ein wichtiges zugrunde liegendes Lebensproblem aufzuspüren, und mit Hilfe der Psychotherapie Lösungsmöglichkeiten hierfür zu finden. Das heißt, die Psychotherapie verhindert einen Raubbau am eigenen Körper, macht Probleme bewusst und hilft mit Belastungen aktiver umzugehen. In der psychosomatischen Behandlung wird der Betroffene ernst genommen, ohne dass unergiebige Untersuchungen wiederholt werden, auch wenn der Patient gegenüber dem Arzt darauf drängen sollte.
Musterbehandlungsplan
Die Einzel- und Gruppentherapie vermittelt zunächst Wissen zu Fragen von Gesundheit, Stressbewältigung, psychosomatischen Zusammenhängen. Dabei findet die Gruppentherapie 3 mal wöchentlich statt, neben Einzelgesprächen kommen körperbezogene Therapien wie die Vermittlung eines bewussteren Bewegens nach Moshe Feldenkrais, Wirbelsäulenyoga oder Qi Gong zur Anwendung. Wichtig sind auch Entspannungsverfahren wie das Autogene Training oder das Biofeedback, sportliche Therapien wie die Bewegungsgruppe, Nordic Walking, Schwimmen, die es ermöglichen die eigene Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen und auch deren Grenzen zu respektieren. Auch können sich Gruppentherapien zu beruflichen Problemen als hilfreich erweisen. Die Behandlung ist auf eine Dauer von 4-5 Wochen angelegt.
Wirksamkeit
Der Behandlungserfolg der Somatisierungsstörung hängt zu einem großen Teil von einer vertrauensvollen Therapeut-Patient Beziehung ab. Auch ist eine noch nicht zu lange Krankheitskarriere und eine Bereitschaft des Patienten sich auf Neues einzulassen förderlich. Die Somatisierungsstörung in Reinform ist psychotherapeutisch schwierig zu behandeln, jedoch kann man der überwiegenden Anzahl von Menschen mit psychosomatischen Beschwerden durch eine stationäre Behandlung in einer Fachklinik wirkungsvoll und nachhaltig helfen.
Nachsorge
Die Deutsche Rentenversicherung bietet eine integrierte Rehabilitationsnachsorge zur besseren Eingliederung in den Alltag und Stabilisierung der Rehaergebnisse an. Für einen Teil der Patienten empfiehlt sich eine ambulante Psychotherapie. Ansonsten ist eine gute Zusammenarbeit mit dem Hausarzt wichtig, um bei erneuten Beschwerden nicht wieder eine unergiebige Runde aufwändiger Untersuchungen einzuleiten. Fast immer ist die Fortsetzung von Entspannungsverfahren oder körperorientierten Therapieverfahren wie nach Feldenkrais sehr sinnvoll und über Volkshochschulen, Krankenkassen oder auch in Eigenregie z. B. mit CDs möglich.
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