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Symptome Unter Tinnitus wird ein "Klingeln" und "Pfeifen" in den Ohren verstanden, das relativ häufig, mitunter vorübergehend als Störung des Hörsystems auftreten und hinsichtlich seiner Ursache meist nicht auf eine körperliche Grunderkrankung zurückgeführt werden kann. Man schätzt, dass in Deutschland ca. 5,5 Mio. Menschen an einem Tinnitus leiden.
400.000 Patienten haben ein so starkes Ohrgeräusch, dass es den Charakter einer schwerwiegenden Erkrankung bekommt. So können infolge des Tinnitus Ängste, Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken, Schlafstörungen und weitere körperliche Symptome auftreten. Konzentrationsstörungen können massiv die Leistungsfähigkeit beeinflussen. In solchen Fällen spricht man von einem chronischen komplexen oder auch dekompensierten Tinnitus, der zu erheblichen Beeinträchti-gungen im bio-psycho-sozialen Umfeld der Betroffenen führt. Ist dies der Fall, ist eine stationäre psychosomatische Tinnitus-Behandlung erforderlich.
Mein Krankheitsverlauf "Eigentlich hatte ich das Geräusch schon viele Jahre. So sehr hat es mich eigentlich nicht gestört, aber auf einmal konnte ich nicht mehr schlafen, fühlte mich unwohl, das Geräusch begann mich zu nerven. Ich hatte damals Stress in meiner Beziehung, meine Frau wollte sich von mir trennen. Dies ist auch geschehen. Obwohl ich eine neue Partnerin habe ist das Geräusch immer noch da. Ich bemerke, wie ich selbst durch das Ohrgeräusch gereizter und unzufriedener bin. In meiner Arbeit mache ich schon mal einen Mitarbeiter runter, ohne dass es dafür eine Rechtfertigung gibt. Meine Arbeit fällt mir auch nicht mehr so leicht wie früher, lange am Computer sitzen kann ich nicht mehr, Pausen genügen nicht mehr zur Erholung."
Behandlungsprogramm Das stationäre psychosomatische Tinnitus-Konzept der Burg-Klinik orientiert sich an der Tinnitus-Retraining-Therapie, einem systematischen Bewältigungstraining. Grundlage ist die Erkenntnis, dass bei einem dekompensierten Tinnitus nicht Vorgänge im Ohr, sondern eher zentrale, kognitive, emotionale und wahrnehmungspsychologische Vorgänge eine wesentliche Rolle spielen. Denn durch bewusste oder unbewusste Konzentration auf das Ohrgeräusch bekommt dieses sowohl an Stärke wie auch Wertigkeit eine dominierende Rolle.
Das Tinnitus-Bewältigungstraining vermittelt den Betroffenen ein Verständnis der Zusammenhänge und damit die Grundlage für sinnvolle Lösungsstrategien. Dies geschieht durch Informationsvermittlung, Einstellungs- und Verhaltensveränderungen sowie durch Lösung psychischer Konflikte oder psychosozialer Problemkonstellationen.
Die Inhalte des Bewältigungsprogramms richtet sich nach den Richtlinien der Deutschen Tinnitus-Liga und sind mit den aktuellen klinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen abgestimmt. Besonders positiv wurde in Evaluationen das Hyper-akusistraining bewertet, in dem Patienten mit einer Geräuschüberempfindlichkeit (=Hyperakusis) einzeln und in der Gruppe lernen, einen Gewöhnungsprozess an normal laute Außengeräusche zu erreichen.
Geschätzt wird ebenso die Klangtherapie, in der Musikkassetten über Kopfhörer abgespielt werden, die bestimmte Frequenzbereiche in der Lautstärke hervorheben und somit den Tinnitus verdecken können.
Die Hörtherapie wiederum schärft die akustische Wahrnehmung, fokussiert auf starke Störgeräuscheinflüsse und bindet Klang und Musik ein. Das Tinnitus-Bewältigungsprogramm findet in geschlossenen Gruppen statt. Je nach Krankheitsbild beinhaltet es:
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Hyperakusistraining
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Klangtherapie
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Hörtherapie
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Tanztherapie
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Kreativ-Therapie
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Entspannungsverfahren
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psychotherapeutische Einzelgespräche
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Versorgung der Tinnituspatienten mit Hörgeräten, Noisern oder Kombigeräten durch eine enge Zusammenarbeit mit einem Hörakustiker vor Ort
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bei Bedarf medikamentöse Behandlung
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physiotherapeutische Maßnahmen
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Sauerstoffinhalationen
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sozialmedizinische Betreuung
Wirksamkeit Die Durchführung des gesamten Behandlungsprogramms für Tinnituspatienten in der Burg-Klinik orientiert sich an den Richtlinien der Deutschen Tinnitus-Liga. Kontinuierlich werden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse abgerufen und in das Programm eingearbeitet.
In einer hausinternen Evaluation zu Beginn und Ende der Behandlung werden Tinnitus-Fragebögen nach Goebel & Hiller sowie der BDI-Fragebogen eingesetzt. Darüber hinaus kommt ein Abschlussfragebogen nach Absolvierung des gesamten Therapieprogramms zum Einsatz sowie ein klinikinterner Patientenfragebogen, der die Zufriedenheit mit der Behandlung, die strukturelle Ausstattung und das Behandlungsergebnis abfragt.
Nachsorge Sollte keine ausreichende Stabilisierung und Zufriedenheit erreicht werden, kann zur Sicherung des Behandlungsergebnisses die Fortsetzung und Aufnahme einer ambulanten Psychotherapie am Heimatort und Fortführung einzelner Elemente des gesamten Behandlungsprogramms unsererseits empfohlen werden. Die Einbindung in eine Selbsthilfegruppe (Kontakte z. B. über die DTL in Wuppertal) ist stets empfehlenswert. Eine internetbasierte Nachsorge unsererseits ist in Planung.
Literatur
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Biesinger, E. (1996) Die Behandlung von Ohrgeräuschen, Trias-Verlag, Stuttgart
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Tinnitusforum: Verbandszeitschift der Deutschen Tinnitus-Liga Wuppertal
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Goebel, G. (1992) Ohrgeräusche - Psychosomatische Aspekte des komplexen chronischen Tinnitus; Quintessenz Verlag München
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Hallam, R.(1994) Leben mit Tinnitus - Wie Ohrgeräusche erträglicher werden. Quintessenz-Verlag München
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Hocker, K. (1997) Tinnitus - Ursachen und Behandlung von Ohrgeräuschen. C. H. Beck-Verlag, München
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Tönnis, S. (1997), Leben mit Ohrgeräuschen (Selbsthilfe bei Tinnitus), Heidelberg-Asanger-Verlag
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Tinnitus - Was tun? Hrsg. Deutschen Tinnitusliga e.V., Postfach 210351, 42353 Wuppertal
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Kröner-Herwig, B.: Psychologische Behandlung des chronischen Tinnitus. Psychologie Verlagsunion GmbH, 1997
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