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Symptome Ängste sind ein wichtiges Phänomen unseres Lebens. Ohne Angst können wir nicht überleben - denn sie hält uns davon ab, dass wir uns in gefahrvolle Situationen begeben. Wenn man zum Beispiel an einer Steilküste spazieren geht, achtet man darauf, dem Klippenrand nicht zu nahe zu kommen. Deshalb ist grundsätzlich die Angst ein wichtiger Ratgeber. Wir alle kennen Ängste: vielleicht die Angst vor der Vergänglichkeit, Angst vor dem Alleinsein oder mangelnder Geborgenheit, aber auch Angst vor der Freiheit oder Angst vor dem Verlust des Selbst.
Angst kann sich aber auch zu einer eigenständigen Erkrankung entwickeln. Es gibt eine Angst, die unser Leben derart bestimmen kann, dass wir nicht mehr aus dem Haus gehen, uns unter Menschen begeben oder uns weitgehend vom Leben zurückziehen. Wenn dies geschieht und wir unter Ängsten leiden, deren Ursache wir nicht kennen, besitzt Angst Krankheitswert.
In der Medizin werden verschiedene Ängste unterschieden (vgl. ICD10): Es gibt Panikattacken, eine generalisierte Angststörung oder spezifische Angststörungen (z. B. Spinnen-Phobie). Die Ursachen der Erkrankung sind vielfältig. Genetische und biologische Ursachen spielen ebenso eine Rolle wie ein Lernen am Modell, die Familiengeschichte oder persönliche (unter Umständen traumatisierende) Erfahrungen in der eigenen Lebensgeschichte. Um Ängste in den Griff zu bekommen, so dass sie nicht mehr das eigene Leben bestimmen, müssen die Ursachen erkannt und aufgearbeitet werden. Spätestens dann sollte auch therapeutischer Rat in Anspruch genommen werden.
Mein Krankheitsverlauf "Vor vier Jahren kam es erstmals dazu: Ich bekam Herzrasen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, ein Kribbeln in den Fingern und habe heftig geatmet. Ich habe gedacht, ich müsste umkippen. In der Folge trat dies mehrfach in der Woche ohne erkennbare Ursache auf. Ich habe meinen Hausarzt und einen Internisten aufgesucht. Herzinfarkt, Bluthochdruck und andere Erkrankungen sind alle ausgeschlossen worden. Man hat mir gesagt, daß dies ein psychisches Problem sei. Das kann ich gar nicht verstehen, da ich in keiner Weise ein ängstlicher Mensch bin".
Befragt nach weiteren Erlebnissen, schildert jene Patientin, dass ihre Eltern sich im dritten Lebensjahr haben scheiden lassen. Vor vier Jahren begann die Angsterkrankung, als der Ehemann berufsbedingt ins Ausland gezogen und nur noch wenig zu Hause war. Aktuell stehe der Auszug des jüngsten Sohnes an. Frühere und aktuell reale Trennungserfahrungen führen zur Auslösung einer Panikattacke.
Behandlungsprogramm In der Burg-Klinik gibt es zwei Behandlungsgruppen: Eine ist speziell für Menschen mit Platzangst (Agoraphobie), spezifischer Panikstörung und Phobien. Eine andere ist für Menschen mit sozialer Phobie (angstvoller Umgang im Kontakt mit Menschen) und ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstruktur (vgl. Persönlichkeitsstörungen).
Beide Programme umfassen mindestens einen Behandlungszeitraum von drei Wochen und können, je nach Krankheitsverlauf, die folgenden Behandlungsbausteine beinhalten:
- Spezifische Gruppentherapie (Psychoedukation, Erarbeiten eines Erklärungsmodells, Gefühlsdifferenzierung, Erregungskontrolle, Konfrontation, Mittelpunktsübungen, Selbstsicherheit und Selbstwert, die Bedeutung familiärer Botschaften, Wünsche und Perspektiven, Abschied und Bilanz)
- Entspannungsverfahren
- Physiotherapeutische Anwendungen
- Ergotherapeutische Therapiemodule
- Kunsttherapie mit der Möglichkeit, Affekte (z. B. Angst, Sorge oder depressive Elemente) über Kreativtechniken zu artikulieren
- Psychoedukative Elemente und ärztliche Vorträge zu den physiologischen Prozessen bei Angsterkrankungen
- Physiotherapeutische Anleitung im Umgang mit Bauchatmung und Meditation
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Verhaltenstherapie, in denen Teilnehmer lernen, mit angstauslösenden Situationen und damit verbundenen unangenehmen körperlichen Zuständen, umzugehen
Der Unterschied der beiden Gruppen liegt darin, dass der Fokus der Gruppe "Soziale Phobie" mehr auf Bewertungsängsten und Selbstwertproblemen liegt. Entsprechend unseres Konzeptes und unserer Behandlungsphilosophie finden vielfältige psychotherapeutische Herangehensweisen ihren Spiegel im Aufbau der Angstgruppen. In Übereinstimmung mit der wissenschaftlichen Literatur wird der Verhaltenstherapie ein Schwerpunkt zugesprochen.
Wirksamkeit Am Endes jeder Behandlung als auch des gesamten stationären Aufenthaltes wird mit jedem Patienten ein individuelles Fazit gezogen. Dieses wird durch die Inanspruchnahme verschiedener testpsychologischer Kataloge evaluiert (wie z. B. HAMA, AKV, SF12).
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass spezifische verhaltens- und beziehungstherapeutische Behandlungsformen eine langfristig stabile Wirksamkeit erzielen. So liegt die Erfolgsquote z. B. bei Agoraphobie bei 70 % (van Balkom et al. 1995 und 1997). Bei Panikstörung wird eine Besserungsquote von bis zu 80 % (Berger 2004) erreicht. Die ergänzende medikamentöse Behandlung mit spezifischen Psychopharmaka ist bei Angststörungen ebenfalls als wirksam anerkannt.
Nachsorge Die Aufnahme einer ambulanten Psychotherapie am Heimatort und die Betreuung durch einen ambulanten Nervenarzt kann im Einzelfall sinnvoll sein und wird durch uns gerne vermittelt. Ebenso besteht, wie bei anderen Erkrankungen, die Möglichkeit der intensivierten Rehabilitationsnachsorge (IRENA) über den jeweiligen Kostenträger. Darüber hinaus helfen wir bei der Kontaktaufnahme zu Selbsthilfegruppen.
Literatur für Fachpublikum
Literatur für Patienten
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Ders. et al. (1997): Panik-Ratgeber. Germering: Karger
- Dombrowski, H. (2001): Angst erfolgreich überwinden.
München: CIP-Medien-Verlag
- Marchand et al. (1997): Keine Panik mehr. Selbsttherapie bei Panikattacken. Freiburg: Herder
- Matthews et al. (1994): Platzangst. Basel: Karger-Verlag
- Peurifoy, R. (1993): Angst, Panik und Phobien. Selbsthilfeprogramm.
Bern, Huber
- Plessen, U. Angst und Panik. Blockaden und Beklemmungen in Alltagssituationen.
Trainingsvideo, Übungsheft. PROCEDO media
- Schmidt-Traub (1977): Angst bewältigen. Springer Berlin
- Schröder, B. (2000): Der Weg durch die Angst. Reinbeck: rororo
- Wittchen, H.U. (1997): Wenn Angst krank macht. Störungen erkennen, verstehen und behandeln. München Mosaik
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Wolf, D. (1994): Ängste verstehen und überwinden. Mannheim: PAL-Verlag
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