|
Zu einem Schädel-Hirn-Trauma kommt es oftmals durch äußere Einwirkung auf den Kopf mit der Folge einer Schädigung des Gehirns. Eine der harmloseren Formen des Schädel-Hirn-Traumas ist die Comotio (Gehirnerschütterung). Zu den schweren Formen gehören alle Formen von Blutungen innerhalb des knöchernen Schädels wie z. B. epidurale, subdurale Hämatome oder Kontusionsblutungen. Aber auch Zerstörungen der Nervenfasern des Gehirns auf Zellebene, die bestenfalls mit Hilfe von Elektronenmikroskopen sichtbar gemacht werden können, führen zu schwerwiegenden Schädigungen bis zum langandauernden Koma der Patienten. Hier kann eine Behandlung in der Heinrich Mann Klinik erfolgreich einsetzen.
Stefan R. verunglückte bei einem Verkehrsunfall im April: er wurde als Beifahrer eines Pkw verletzt, war eingeklemmt und musste von der Feuerwehr aus dem Pkw herausgeschnitten werden. Sofort wurde er mit dem Rettungshubschrauber in das Akutkrankenhaus zur Maximalversorgung transportiert. Die Versorgung erfolgte u. a. durch Unfallchirurgie, Neurochirurgie und Kieferchirurgie.
Er hatte u. a. ein Schädel-Hirn-Trauma dritten Grades mit primärem Koma und eine offene Schädelbasisfraktur mit weiteren Brüchen des Schädels erlitten. Weiterhin bestanden diverse Kontusionsblutungen in verschiedenen Hirnanteilen, auch in lebenswichtigen Stammhirnanteilen. Aufgrund des schweren Unfalles erlitt Stefan auch einen Sauerstoffmangel des Gehirns. Weitere Verletzungen waren diverse Brüche von Wirbelkörpern im Bereich der Halswirbelsäule und Lendenwirbelsäule, Lungenschädigungen, Herzprellung, Brüche des Oberschenkels, des Unterschenkels rechts sowie ein kompletter Abriss der hinteren Kreuzbänder beider Knie. Im Verlauf der Versorgung auf der Intensivstation kam noch ein akutes Nierenversagen hinzu, ein Dünndarmgeschwür mit akuter Blutung, diffuse Verknöcherungen im Bereich des linken Armes sowie eine Hirnhautentzündung infolge einer Infektion durch die Nasennebenhöhlen.
Mehr als 2 Monate lang wurde der Patient auf der Intensivstation des Akutkrankenhauses versorgt, anschließend erfolgte im Juni die Verlegung mit dem Rettungshubschrauber in die Heinrich Mann Klinik zur neurologischen Frührehabilitation.
Kurz vor Weihnachten konnte der Patient die Rehabilitation beenden. Er ist wieder in der Lage, leichte Tätigkeiten ohne belastende körperliche Aktivitäten auszuüben. Die geistigen Funktionen sind wieder vollständig hergestellt, die Integration in Familie und soziales Umfeld gelang.
Im ersten Halbjahr des nächsten Jahres sind noch weitere Operationen erforderlich gewesen: Metallentfernungen, Beseitigungen von verschiedenen Verknöcherungen, etc. Die berufliche Integration ist anschließend ebenfalls gelungen.
Therapien und Behandlungsprogramme in den Phasen B, C und D
Phase B:
- Monitoring von Vitalfunktionen, künstliche Ernährung, Kontrolle des Flüssigkeitshaushaltes und von Ausscheidungen
- Kontaktaufbau mit den Patienten
- Bett-Lagerung
- allmähliche Mobilisierung
- viele Stunden Therapie täglich: Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie mit: sensorischer Stimulation, Wahrnehmungsstimulation, Schlucktraining, Sprechtraining, facio-orales Training, allmählich steigende Lokomotionstherapie (Laufbandtraining)
- mehrere ärztliche Visiten täglich sind erforderlich
Die Ziele waren zunächst das Erwachen aus dem "Wachkoma", das Erlernen des Schluckens, erste Ansätze des Verstehens und des Sprechens, Kontaktaufnahme und Kommunikation mit der Umwelt, Anbahnen sowie Erlernen erster Bewegungen.
Nach Verlegung in die Phase C erfolgten mehrere Stunden täglich die folgenden Therapien:
- Krankengymnastik mit Training von Sitzen, Stehen und Gehen
- Ergotherapie
- Wasch-, Anzieh- und Esstraining
- Inkontinenztraining für Harnblase und Darm
- Sprach-, Sprech- und Schlucktherapie
- Wiedererlernen von Lesen, Schreiben, Rechnen
- Training von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit, Konzentration und anderen mentalen Leistungen
Hinzu kamen die Behandlungen von auftretenden Depressionen, als der Patient sich seiner Krankheit bewusst wurde, sowie Gespräche zur Krankheitsbewältigung, zur Situation in Familie und Beruf. Rehabilitationsziele waren hier Selbständigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens wie Körperpflege, An- und Auskleiden, Nahrungsaufnahme, ausreichende Belastbarkeit, Hilfsmittelversorgung für ein Leben in der Familie sowie selbständige Planung des Tagesablaufs und der Tagesstruktur. Kommunikationsfähigkeit und kognitiver Überblick über alle wesentlichen Alltagsbelange waren ebenfalls zu erzielen.
Stefan wurde danach aufgrund seiner weitgehenden Besserung in die Phase D der Rehabilitation verlegt. Hier sind die Patienten bereits deutlich selbständig. Es erfolgen Krankengymnastik, Ergotherapie, neuropsychologisches Hirnleistungstraining und Sprachtherapie, ergänzt durch Atem- und Singtherapie sowie Kunsttherapie und natürlich Gehschule und Gleichgewichtstraining.
Als letzte Phase ist die Phase E zu nennen, hierbei handelt es sich um eine tagesklinische Behandlung, bei der der Patient bereits zu Hause wohnen kann und die Klinik nur für die Therapiezeit aufsucht. Ambulant werden hier neuropsychologisches Training, Logopädie, Ergotherapie oder Krankengymnastik und weitere Maßnahmen wie z. B. EMT durchgeführt. Auch erfolgt in dieser Phase die Verordnung und Anpassung von Hilfsmitteln für den häuslichen und beruflichen Bereich bis hin zur Umrüstung von Kraftfahrzeugen und behindertengerechter Umgestaltung der Wohnung. Maßnahmen zu Ausbildung und Arbeitsplatz werden gemeinsam mit Betriebsärzten und Arbeitgebern eingeleitet - auch die berufliche Rehabilitation mit Belastungserprobungen gehören in diese Phase.
Phase B: 10 x wöchentlich Krankengymnastik 5x wöchentlich Ergotherapie 5x wöchentlich Logopädie 6x wöchentlich Sitzrad 3x wöchentlich Neuropsycholgie Training derAktivitäten des täglichen Lebens 3x täglich Esstraining
Phase C 8 x wöchentlich Krankengymnastik 2x wöchentlich Krankengynastik 5x wöchentlich Ergotherapie 10x wöchentlich EMT 5x wöchentlich Logopädie 6x wöchentlich Sitzrad 5x wöchentlich Kiesbad 3x wöchentlich Neuropsycholgie Aktivitäten des täglichen Lebens Esstraining 4x wöchentlich MKB - Gruppe 3x wöchentlich Feinmotorikgruppe Kreativgruppen Haushaltstraining
Phase D 5 x wöchentlich Krankengymnastik 3x wöchentlich Ergotherapie 5x wöchentlich EMT 2x wöchentlich Terraintraining 3x wöchentlich Gleichgewichtstraining 3x wöchentlich Logopädie 5x wöchentlich Sitzrad 3x wöchentlich Kiesbad 3x wöchentlich Neuropsycholgie 3x wöchentlich Wassergruppe Neurologie 4x wöchentlich MKB - Gruppe 3x wöchentlich Feinmotorikgruppe Kreativgruppen Haushaltstraining
Ein großer Teil der Patienten kann soweit geheilt werden, dass eine berufliche Integration erfolgt. Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma, die in der Phase B aufgenommen werden, können zu 75 % die Phase D erreichen und ebenfalls zu einem großen Teil wieder beruflich integriert werden.
Nach einem Schädel-Hirn-Trauma reicht die Rehabilitationszeit in der Klinik nicht aus - die Patienten benötigen auch später die Fortführung der Behandlungen, die im Rahmen der Rehabilitation begonnen wurden. Hierzu zählen in der Regel Krankengymnastik und Ergotherapie, gelegentlich auch Logopädie und selten EMT. Entsprechende Verordnungen werden während des stationären Aufenthaltes bereits von der Rehabilitationsklinik ausgestellt und die Nachsorge kann organisiert werden.
Für die individuelle und persönliche Betreuung der Patienten bestehen Kontakte zu Selbsthilfegruppen, an die sich die Patienten auch nach ihrer Entlassung wenden können. Selbstverständlich stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heinrich Mann Klinik auch nach der Entlassung für eine weitere Betreuung oder Beratung der Patienten zur Verfügung.
Gerne vermitteln wir Ihnen entsprechende Kontakte. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
|