|
Es war ein kalter Novembermorgen, als Peter W. mit seinem Motorrad um 06.30 Uhr auf dem Weg zur Arbeit war. Er ist ein routinierter Fahrer, der in der Dunkelheit vorsichtig fährt, um keine Fehler zu machen. Er weiß, dass das Motorrad gegenüber einem Auto unterlegen und der Fahrer nicht geschützt ist. Doch plötzlich springt ihm von der rechten Straßenseite etwas direkt vor das Motorrad - ein Fuchs. Peter W. kann ihm nicht mehr ausweichen. Er überfährt das Tier und kommt infolgedessen zum Sturz. Obwohl er langsam fährt, wird er vom Motorrad geschleudert und landet unter der Leitplanke. Trotz des Helms erleidet er schwere Kopfverletzungen.
Er wird sofort mit dem Rettungshubschrauber in die nächste Großklinik gebracht. Hier erfolgt eine neurochirurgische Notfall-Operation, zusätzlich müssen die Unfallchirurgen ein Bein nageln und mehrere andere Knochenbrüche mit Hilfe von Metallplatten und Schrauben stabilisieren. Auf der Intensivstation stellen sich leider Komplikationen ein - so gibt es Entzündungen an einer Stelle, wo sich ein offener Bruch gezeigt hatte, auch entwickelt sich bei Peter W. eine Lungenentzündung. Nachdem die Beatmungsmaschine nicht mehr notwendig war und der Patient aus dem künstlichen Koma aufwachen sollte, stellten die Ärzte fest, dass an ein Erwachen nicht zu denken war.
Peter W. befand sich nach seinem schweren Unfall im sogenannten "Wachkoma". Dieses wird in der Fachsprache auch als "Apallisches Syndrom" bezeichnet. Da die Ärzte im Akutkrankenhaus nichts mehr für ihn tun konnten, wurde er in die Heinrich Mann Klinik zur neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation verlegt.
Nach einigen Wochen der Therapie und der langsamen Fortschritte zeigte sich jedoch plötzlich ein Stillstand in der Entwicklung. Es erfolgte bildgebende Diagnostik, bei der sich ein Aufstau des Nervenwassers im Bereich der inneren Hohlräume des Gehirns zeigte. Peter W. musste erneut neurochirurgisch operiert werden. Er wurde daher in das Krankenhaus zurückverlegt, das ihn bereits vorher versorgt hatte. Dort wurde die Operationsindikation der Heinrich Mann Klinik bestätigt und der Patient kurzfristig operiert. Nach einigen Tagen erneuten Aufenthaltes auf der Intensivstation des Akutkrankenhauses wurde der Patient mit dem Intensivmobil erneut in die Heinrich Mann Klinik verlegt. Dort konnte die Rehabilitation fortgeführt werden.
Vier Monate nach Aufnahme hat der Patient mittlerweile die ersten Gehversuche absolviert, kann mit Hilfe wieder essen und beginnt, die ersten Worte zu sprechen.
Vor ihm liegt noch ein weiter Weg der neurologisch-neurochirurgischen Rehabilitation - erfahrungsgemäß dürfte sich Peter W. aber weiter erholen und sich sein Zustand soweit bessern, dass er eines Tages zunächst in einem guten Zustand nach Hause zurückkehren kann. Sicherlich wird er noch mehrere Rehabilitationsaufenthalte benötigen, ehe entschieden werden kann, ob er evtl. wieder eine berufliche Tätigkeit aufnehmen kann.
-
Monitoring von Vitalfunktionen
-
künstliche Ernährung
-
Kontrolle von Flüssigkeitshaushalt und Ausscheidungen
-
Kontaktaufbau mit dem Patienten
-
richtige Bettlagerung
-
allmähliche Mobilisierung
-
viele Stunden Therapie täglich: Krankengymnastik, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie mit sensorischer Stimulation, Wahrnehmungsstimulation, Schlucktraining, Sprechtraining, facio-orales Training, Laufbandtraining
-
mehrere ärztliche Visiten täglich sind erforderlich
Die Ziele dieser Maßnahmen waren zunächst Erwachen aus dem "Wachkoma", Erlernen des Schluckens, erste Ansätze des Verstehens und des Sprechens, Kontaktaufnahme und Kommunikation mit der Umwelt, Anbahnen sowie Erlernen erster Bewegungen.
Patienten, die in der Phase B aufgenommen werden, können zu 33 % die Phase D erreichen und zu einem großen Teil ebenfalls wieder beruflich integriert werden.
Nach Beendigung der Rehabilitation in der Phase B werden die Patienten in der Regel in der Phase C weiterversorgt. Hierfür ist erforderlich, dass die Patienten mit ihrer Umgebung kommunizieren können und in der Lage sind, mehrere Stunden am Tag aktiv Therapien mitzumachen. Auch sind bestimmte pflegerische Verrichtungen vom Patienten selber auszuführen. Im Anschluss an diese Phase folgt die Phase D, in der die Patienten nach weiterer Erholung versorgt werden. Hier ist u. a. eine Voraussetzung, dass sie sich auf Stationsebene selbständig bewegen und die Therapieeinrichtungen weitgehend selbständig aufsuchen können.
Die Heinrich Mann Klinik arbeitet intensiv mit verschiedenen Selbsthilfegruppen wie zum Beispiel Schädel-Hirnpatienten in Not e. V., Forum Gehirn, etc. zusammen. Hier werden den Patienten und Angehörigen Kontakte vermittelt. Weiterhin finden Angehörigentreffen in der Klinik statt, in denen gerade den Angehörigen von Phase-B-Patienten die Möglichkeit zum Gedankenaustausch gegeben wird sowie auch fachliche und fachspezifische Fragen beantwortet werden. Im Akutkrankenhaus fehlt den Ärzten häufig die Zeit, die Betroffenen gründlich über die Gesamtsituation aufzuklären. Dies versuchen wir in der Rehabilitationsklinik durch viel Engagement ein wenig aufzuholen.
Bitte sprechen Sie uns an. Wir helfen Ihnen gerne.
|