|
Nicht unterdrückbarer Harndrang bis hin zur Inkontinenz, aber auch Restharnbildung und häufige Blasenentzündungen sind häufige Symptome der neurogenen Blasenentleerungsstörung bei Multipler Sklerose. Mehr als drei Viertel der MS-Betroffenen leiden unter solch quälenden Symptomen, doch ist das Thema immer noch weitgehend tabuisiert. Noch seltener werden die häufig mit Blasenstörungen gemeinsam auftretenden Beeinträchtigungen der Sexualfunktion angesprochen.
Oft kann jedoch mit ganz einfachen Untersuchungsmethoden eine wirksame und hilfreiche Therapie begonnen werden, die einerseits die Lebensqualität entscheidend verbessert, andererseits aber auch schwerwiegende medizinische Folgen an Blase und Nieren zu verhindern hilft.
"Ich konnte nicht mehr ins Kino oder ins Theater gehen. Ausgehen macht einfach keinen Spaß mehr, wenn man spätestens nach einer halben Stunde unvermittelt zur Toilette hetzen muss. Da bleib ich lieber gleich zu Hause." So oder ähnlich beschreiben Patienten ihre Behinderung durch die Blasenstörung, die oftmals in die soziale Isolation treibt, die Berufstätigkeit stark einschränkt und wichtige Energien im Alltag raubt. Hinzu kommt, dass die Blasenstörung mit der Multiplen Sklerose häufig gar nicht in Verbindung gebracht wird.
Der erste und wichtigste Schritt in der Behandlung der Blasenstörung ist es, die eigene Scheu zu überwinden und über die Symptome zu sprechen. Nicht belastende Untersuchungsverfahren, wie zum Beispiel die sonografische Restharnbestimmung, aber auch ein Tagebuch über die Häufigkeit des Wasserlassens und evtl. Inkontinenzbeschwerden erlauben eine erste Einschätzung und gestatten häufig bereits eine erfolgversprechende Therapie mit und ohne gezielt eingesetzte Medikamente.
Ein wichtiger Baustein ist die Aufklärung der Betroffenen über Methoden, wie nichtmedikamentös jeder Patient selbst zur Linderung der Symptome beitragen kann. In diagnostisch schwierigen Fällen können in Absprache mit dem Patienten weitergehende Untersuchungsverfahren veranlasst werden.
Die Behandlungspläne variieren je nach individueller Behandlungssituation des Patienten. Einen Beispielhaften Wochenbehandlungsplan können Sie hier ansehen.
Durch eine frühzeitige und kompetente Therapie von Blasenentleerungs- und Sexualfunktionsstörungen lassen sich wesentliche Verbesserungen der Lebensqualität erzielen. Rückmeldungen von Patienten belegen dies eindeutig: Vermehrte soziale Aktivität, weniger Angst vor Inkontinenz und damit verbundener Ausgrenzung im Alltag, mehr Zufriedenheit im Sexualleben sind für die Betroffenen oftmals das Ergebnis nach einer erfolgreichen Therapie.
Nicht zuletzt aber auch die Vermeidung von langfristigen Sekundärschäden an den ableitenden Harnwegen (Verringerung der Blasenkapazität, Divertikelbildung an der Blase, Harnstau und chronische Stauungsschäden der Nieren) machen die Behandlung notwendig.
Nach dem stationären Aufenthalt sollten Betroffene von neurogenen Blasenentleerungs-störungen engmaschige Restharnkontrollen bei ihrem Hausarzt oder Urologen durchführen lassen. Veränderungen der Situation sollten nicht verschwiegen, sondern offen im ärztlichen Gespräch thematisiert werden.
Nicht zuletzt kann jeder Betroffene selbst durch einen offenen Umgang mit dem Thema "Blasen- und Sexualfunktionsstörungen", zum Beispiel in seiner Selbsthilfegruppe, dazu beitragen, dass andere Patienten eine adäquate Behandlung erfahren. Adressen von Selbsthilfegruppen vermitteln wir gerne. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf.
|