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Fast alle letztendlich Bypass-operierte Patienten hatten in den Monaten vor der Operation eine sogenannte Angina pectoris (Enge im Bruskorb, besonders bei Belastung) oder einen Herzinfarkt. Nach der Herzkatheteruntersuchung wurde dann entschieden, dass Bypässe am Herzen gelegt werden müssen. Nach diesem schweren Eingriff steht den Patienten eine Rehabilitationsmaßnahme zur Stabilisierung von Körper und Seele zu.
In den 78 herzchirurgischen Zentren in Deutschland wurden im Jahre 2004 71.387 Bypass-Operationen mit und ohne Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Auf eine Millionen Einwohner bezogen ergibt dies 865 Herzoperationen. Nahezu 75% der operierten Patienten waren älter als 60 Jahre.
In unsere Klinik werden Patienten aus etwa 20 verschiedenen herzchirurgischen Zentren - überwiegend im Ruhrgebiet gelegen - zur Anschlussrehabilitation verlegt. Zunehmend viele Patienten kommen am 10. bis 14. Tag nach der Bypass-Operation zu uns. Die bei uns behandelten Patienten sind im Mittel 70 Jahre alt. Im Jahre 2005 war die älteste hier behandelte Patientin über 90 Jahre alt.
Das erste Rehabilitationsziel ist die physische und psychische Stabilisierung nach einer Bypass-OP. Dazu gehören:
Bei Patienten mit sozialmedizinisch relevanten Problemstellungen muss zusätzlich eine Beratung und Abklärung der häuslichen Situation mit Einleitung angemessener Maßnahmen noch während des stationären Aufenthaltes erfolgen.
Die folgenden Therapiemodule können, je nach individuellem Krankheitsverlauf, zur Anwendung kommen:
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Regelmäßige Visiten und freie Sprechstunden Nach der Aufnahmeuntersuchung durch den behandelnden Arzt finden mehrfach wöchentlich ärztliche Visiten satt. Diese dienen unter anderem der Anpassung des Therapieplanes, der Anpassung der Rehabilitationsziele, der Überprüfung der Medikation. Psychosoziale Rahmenbedingungen des Erkrankungsverlaufes werden schrittweise weiter erfasst. Bei Bedarf kann sich jeder Patient zusätzlich an seinen betreuenden Arzt wenden.
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Regelmäßige Überprüfung der Wundheilung, Verbandwechsel Im Rahmen der regelmäßigen Visiten wird der Verlauf der Wundheilung überprüft. Regelmäßige Verbandwechsel sowohl am Thorax als auch an den Extremitäten (Unterschenkel, Unterarm) werden nach Anordnung durch den Stationsarzt durch die Pflegedienstmitarbeiter durchgeführt.
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Abgestufte Bewegungstherapie Ziele dieses Therapiemoduls sind die Verbesserung bzw. Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, Wiedereingliederung in normale Lebensabläufe, Abbau von Risikofaktoren, Aufbau von Schutzfaktoren sowie Motivation zum selbstständigen Weiterführen der körperlichen und sportlichen Aktivität am Heimatort. Eingeteilt werden die Patienten alternativ je nach Leistungsfähigkeit in folgende Belastungsgruppen:
– Hockergruppe (unter 15 Watt Leistung) – Gruppe A (15 - 30 Watt) – Gruppe B (30 - 50 Watt) – Gruppe C (50 - 100 Watt)
In den einzelnen Belastungsgruppen werden im Wochenablauf Aktivitäten in der Sporthalle, Terraintraining, Atemtherapie und in den Gruppe A bis C monitorkontrolliertes Ergometertraining kombiniert. Schwimmen ist für mindestens sechs Wochen nach der Bypass-OP nicht möglich.
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Physikalische Therapie Bei starken Schmerzen werden Massagen mit Heißluft, Fango, Heusack angewendet. Gegen die Restbeschwerden nach einer länger dauernden Beatmung werden Inhalationen mit verschiedenen Therapeutica eingesetzt. Einzel-Krankengymnastik zur schrittweisen Mobilisation kommt bei sehr stark geschwächten Patienten zur Anwendung.
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Patientenschulung Seminare zur Gesundheitsinformation werden von dem interdisziplinären Rehabilitationsteam durchgeführt. Es findet mindestens ein Seminar pro Wochentag statt, angeboten werden u. a. Informationen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Therapiemöglichkeiten, theoretische Aspekte zur Bewegungstherapie und ambulanten Herzgruppen, herzgesunde Kost, Theorie und Praxis von Entspannungstherapie sowie psychosozialen Schutz- und Risikofaktoren. Die Gesamtheit der Seminare läuft unter der Überschrift "Curriculum zur Erarbeitung eines gesundheitsfördernden Lebensstils".
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Ergänzende kardiologische Diagnostik Je nach Bedarf und vorliegenden Vorbefunden werden folgende Untersuchungen durchgeführt:
– Ruhe-EKG – Belastungs-EKG – Echokardiografie (2D-TM-FDE) – Sonografien (Abdomen, Schilddrüse, Carotiden, periphere Gefäße) – Langzeit-EKG – Langzeit-Blutdruckmessung – Bodyplethysmografie
In Kooperation mit den Soester Krankenhäusern: – Vorstellung in der chirurgischen Ambulanz – Röntgenuntersuchungen – Schrittmacherüberrüfungen – Laborkontrollen – Dialysebehandlung – Gastro- und Coloskopien – Bronchoskopien
Zusätzliche Therapiemodule – Sozialdienstberatung im Hause – Psychotherapeutische Einzelgespräche durch unsere Klinikpsychologin – Psychosomatische Mitbehandlung (Psychosomatische Abteilung) – Orthopädische Mitbehandlung (Konsile im Haus) – Neurologische Mitbehandlung (Konsile im Haus) – Diabetikerschulung – Ernährungs-Einzelberatung – Ergotherapie
Einen Musterbehandlungsplan können Sie hier ansehen.
In der Zeitschrift "Die Rehabilitation" (Thieme-Verlag) vom Oktober 2005 ist eine umfassende Übersichtsarbeit mit dem Titel "Ergebnisse zur Wirksamkeit der Rehabilitation" (H.-G. Haaf, Seite 259-276) veröffentlicht. Alleine neun umfassende Arbeiten aus den Jahren 2002 bis 2005 sind als wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit von kardiologischer Rehabilitation angeführt und können hier angesehen werden.
Das Rehabilitationskonzept der kardiologischen Abteilung der Klinik Möhnesee ist ausgerichtet nach dem "Rahmenkonzept zur stationären Rehabilitation bei kardiologischen Erkrankungen" des Bundesverbandes Deutscher Privatkrankenanstalten e. V. (www.bdpk.de) aus dem Jahre 2005. Mitautor des Rahmenkonzeptes ist der Chefarzt der Kardiologie der Klinik Möhnesee, Herr Dr. R. Schubmann.
Im Anschluss an die Rehabilitation ist die Teilnahme an einer ambulanten Herzgruppe am Heimatort dringend zu empfehlen. Inzwischen gibt es über 6000 solcher Herzgruppen in Deutschland. Wir vermitteln gerne Adressen der entsprechenden Gruppen in den jeweiligen Heimatorten der Patienten - in Merkblättern informieren wir über die Inhalte von Herzgruppenaktivitäten.
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