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Herzerkrankungen


Herzerkrankungen

Symptome
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Wirksamkeit
Nachsorge 

                                

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Hilfe für Herzpatienten

 

Symptome

Bei der KHK (koronaren Herzkrankheit) sind die Herzkranzgefäße an manchen Stellen durch fetthaltige Ablagerungen - die sogenannten Plaques - verengt oder blockiert. Dieser Prozess kann schon in jungen Jahren beginnen. Die Herzkranzgefäße sind unentbehrlich, um Nährstoffe und Sauerstoff zum Herzmuskel zu transportieren. Wenn sie durch Ablagerungen verengt sind, ist das Herz in Gefahr, zu "ersticken", weil es nicht genügend Sauerstoff erhält. Dieser Sauerstoffmagel kann sehr schmerzhaft sein - Druckgefühl über dem Brustkorb, ziehender Schmerz in den linken Arm, stechender Schmerz zwischen den Schulterblättern, dem Unterkiefer oder im Oberbauch. Fachleute nennen diese Symptomatik "Angina pectoris", zu deutsch "Enge im Brustkorb".

Aus einer Angina pectoris kann sich auch ein Herzinfarkt entwickeln. Bei den Beschwerden darf nicht gezögert werden - die betroffene Person muss sofort in das nächste Krankenhaus. Idealerweise wird dann sofort eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, bei der die weitere Behandlung festgelegt werden kann.

Im Jahre 2003 erlitten in Deutschland knapp 191.000 Menschen einen akuten Herzinfarkt. Wegen Angina pectoris wurden 266.600 Menschen in Krankenhäusern behandelt.

Behandlungsprogramm

Nach einem akuten "Herzereignis" mit oder ohne Herzinfarkt, mit Herzkatheter oder Ballonaufdehnung von Herzkranzgefäßen und Versorgung mit einem Stent (innere Metallstütze eines aufgedehnten Herzkranzgefässes) ist eine umfassende Rehabilitation zur weiteren Nachbehandlung mit Bausteinen wie Kreislauftraining, ergänzende Diagnostik, ausführliche Gesundheitsinformation und weitere Beratung für das weitere Leben gesetzlich garantiert.

Nach Prüfung der vorliegenden medizinischen Befunde und Informationen sowie aufgrund der bei der ärztlichen Aufnahmeuntersuchung gewonnenen Erkenntnisse wird für jeden Patienten am Aufnahmetag ein individueller Behandlungsplan erstellt. Dabei kommen die nachfolgend aufgeführten Therapieformen differenziert nach der jeweils erforderlichen Notwendigkeit und Anwendungsdauer in Absprache mit dem Patienten zur Anwendung. Der Therapieplan wird in den interdisziplinär besetzten Konferenzen besprochen, gestaltet und kontinuierlich angepasst. Die regelmäßige Überwachung wird durch die Oberärzte bzw. den Chefarzt engmaschig gewährleistet.

Die Therapie erfolgt insbesondere in Anlehnung an die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (DGPR, aktuelle Empfehlungen) und der DEGEMED (Deutsche Gesellschaft für medizinische Rehabilitation).

Die kardiologische Abteilung der Klinik Möhnesee wird fast ausschließlich durch Krankenkassen belegt, d. h. zur AHB im Rahmen des hier beschriebenen Behandlungsprogrammes kommen überwiegend ältere und mehrfach kranke Patienten; so lag z. B. das mittlere Alter unserer Patienten 2004 bei 70 Jahren. Dementsprechend ist das vordringliche Rehabilitationsziel die physische und psychische Stabilisierung nach Myokardinfarkt. Die Behandlungsziele sind:

  • Muskuläre Kräftigung, Verbesserung der Ausdauer
  • Verbesserung der Koordination
  • Optimierung der "Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL)"
  • Erlernen von Strategien der Krankheitsverarbeitung
  • Erlernen von Maßnahmen der Sekundärprävention

Bei Patienten mit sozialmedizinisch relevanten Problemstellungen muss zusätzlich eine Beratung und Abklärung der häuslichen Situation mit Einleitung angemessener Maßnahmen noch während des stationären Aufenthaltes erfolgen.

Musterbehandlungsplan

Die folgenden Therapiemodule können, je nach individuellem Krankheitsverlauf, zur Anwendung kommen:

  • Regelmäßige Visiten und freie Sprechstunden
    Nach der Aufnahmeuntersuchung durch den behandelnden Arzt finden mehrfach wöchentlich ärztliche Visiten satt. Diese dienen unter anderem der Anpassung des Therapieplanes, der Anpassung der Rehabilitationsziele, der Überprüfung der Medikation. Psychosoziale Rahmenbedingungen des Erkrankungsverlaufes werden schrittweise weiter erfasst. Bei Bedarf kann sich jeder Patient zusätzlich an seinen betreuenden Arzt wenden.
  • Abgestufte Bewegungstherapie
    Ziele dieses Therapiemoduls sind die Verbesserung bzw. Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, Wiedereingliederung in normale Lebensabläufe, Abbau von Risikofaktoren, Aufbau von Schutzfaktoren sowie Motivation zum selbstständigen Weiterführen der körperlichen und sportlichen Aktivität am Heimatort. Eingeteilt werden die Patienten alternativ je nach Leistungsfähigkeit in folgende Belastungsgruppen:

– Hockergruppe (unter 15 Watt Leistung)
– Gruppe A (15 - 30 Watt)
– Gruppe B (30 - 50 Watt)
– Gruppe C (50 - 100 Watt)

In den einzelnen Belastungsgruppen werden im Wochenablauf Aktivitäten in der Sporthalle, Terraintraining, Atemtherapie und in den Gruppe A bis C monitorkontrolliertes Ergometertraining kombiniert.

  • Physikalische Therapie
    Bei starken Rückenschmerzen werden Massagen mit Heißluft, Fango, Heusack verordnet. Einzel-Krankengymnastik zur schrittweisen Mobilisation kommt bei sehr geschwächten Patienten zur Anwendung.
  • Patientenschulung
    Seminare zur Gesundheitsinformation werden von dem interdisziplinären Rehabilitationsteam durchgeführt. Es findet mindestens ein Seminar pro Wochentag statt, angeboten werden u. a. Informationen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Therapiemöglichkeiten, theoretische Aspekte zur Bewegungstherapie und ambulanten Herzgruppen, herzgesunde Kost, Theorie und Praxis von Entspannungstherapie sowie psychosozialen Schutz- und Risikofaktoren. Die Gesamtheit der Seminare läuft unter der Überschrift "Curriculum zur Erarbeitung eines gesundheitsfördernden Lebensstils".
  • Ergänzende kardiologische Diagnostik
    Je nach Bedarf und vorliegenden Vorbefunden werden folgende Untersuchungen durchgeführt:

– Ruhe-EKG
– Belastungs-EKG
– Echokardiografie (2D-TM-FDE)
– Sonografien (Abdomen, Schilddrüse, Carotiden, periphere Gefäße)
– Langzeit-EKG
– Langzeit-Blutdruckmessung
– Bodyplethysmografie

In Kooperation mit den Soester Krankenhäusern:
– Laborkontrollen (obligat zu Beginn und Ende Reha)
– Röntgenuntersuchungen
– Schrittmacherüberrüfungen
– Dialysebehandlungen
– Gastro- und Coloskopien
– Bronchoskopien

Fakultative Therapiemodule
– Sozialdienstberatung im Hause
– Psychotherapeutische Einzelgespräche durch unsere Klinikpsychologin
– Psychosomatische Mitbehandlung (Psychosomatische Abteilung)
– Diabetikerschulung
– Ernährungs-Einzelberatung
– Ergotherapie

Wirksamkeit

Der Versorgungsgrad chronisch koronarkranker Patienten mit effektiven Maßnahmen der Sekundärprävention ist in Deutschland zu gering. So erreichen in der ambulanten Versorgung durch niedergelassene Haus- und Fachärzte nur 34% der Patienten die Zielwerte für einen normalen Blutdruck, ebenfalls nur 34% die Zielwerte für das LDL-Cholesterin, nur 66% der Patienten erhalten Choloesterinsynthesehemmer, 68% Betablocker und 45% ACE-Hemmer (Euroaspirae II 2001).

Am Ende einer stationären Rehabilitation haben hingegen 92% der Patienten die Zielwerte für die Blutdruckeinstellung erreicht, 43% diejenigen für die Cholesterinsenkung, 67% erhalten Cholesterinsynthesehemmer, 77% Betarezeptorenblocker, 57% ACE-Hemmer (PIN-Studiengruppe 2001).


Im Rahmen der umfassenden Betreuung des koronarkranken Patienten gewährleistet die kardiologische Rehabilitation die Verknüpfung zwischen der akuten Phase einer Herzerkrankung (Phase I nach WHO) und dem beruflichen oder privaten Leben. Die kardiologische Rehabilitation soll dabei den Therapieerfolg festigen und die Voraussetzungen für die Verstetigung von Therapieerfolgen schaffen. Um eine möglichst rasche Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit und eine Wiedereingliederung in das Alltagsleben sowohl beruflich als auch privat zu ermöglichen, muss diese umfassende Betreuung so früh und intensiv wie möglich einsetzen.

In zahlreichen kontrollierten Studien wurden rehabilitative Maßnahmen als effektiv eingeschätzt (AHCPR 1995, SIGN 2000, Jolliffe et al. 2000).

Nachsorge

Im Anschluss an die Rehabilitation ist die Teilnahme an einer ambulanten Herzgruppe am Heimatort dringend zu empfehlen. Inzwischen gibt es über 6000 solcher Herzgruppen in Deutschland. Wir vermitteln gerne Adressen der entsprechenden Gruppen in den jeweiligen Heimatorten der Patienten - in Merkblättern informieren wir über die Inhalte von Herzgruppenaktivitäten.

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