Ausgangslage
Die meisten erworbenen Herzklappenfehler sind verursacht durch eine rheumatische Herzklappenentzündung, die der Manifestation des Klappenfehlers ein bis zwei Jahrzehnte vorausgehen kann. In den meisten Fällen sind die Herzklappen der linken Herzkammer betroffen, bedingt durch die stärkere mechanische Beanspruchung der Klappen.
Bedingt durch die demografische Entwicklung werden zunehmend auch degenerative Klappenerkrankungen - besonders im Bereich der Aortenklappe - beobachtet und behandelt. Die Schweregrade des Herzfehlers werden entsprechend dem Ausmaß der subjektiven Beschwerden nach der NYHA-Skala eingeteilt:
NYHA I = keine Beschwerden, NYHA II = Beschwerden bei stärkerer körperlicher Belastung, NYHA III = Beschwerden bei bereits leichten körperlichen Belastungen, NYHA IV = Beschwerden in Ruhe (kardiale Dekompensation, Bettlägerigkeit).
Die operative Therapie wird in klappenerhaltende Verfahren, wie z. B. Klappenrekonstruktionen und Kommissurotomien unterschieden sowie in Klappenersatz, der sowohl mit biologischen oder aber mit mechanischen Prothesen erfolgen kann. Die Verwendung von mechanischen Prothesen bringt die Notwendigkeit einer lebenslangen Marcumar-Therapie mit sich.
Behandlungsprogramm
In den 78 herzchirurgischen Zentren in Deutschland wurden im Jahre 2004 insgesamt 96.340 Herzoperationen mit der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. 18.617 davon waren Herzklappen-Operationen. Nahezu 74 % aller herzoperierten Patienten waren 60 Jahre und älter.
Die kardiologische Abteilung der Klinik Möhnesee wird fast ausschließlich durch Krankenkassen belegt. Zur Anschlussheilbehandlung (AHB) im Rahmen des hier beschriebenen Behandlungsprogramms kommen überwiegend ältere und oftmals mehrfach erkrankte Patienten. So lag z. B. das mittlere Alter unserer Patienten 2004 bei 70 Jahren.
Dementsprechend ist das erste Rehabilitationsziel die physische und psychische Stabilisierung nach einer Herzklappen-OP. Dazu gehören im einzelnen:
Bei Patienten mit sozialmedizinisch relevanten Problemstellungen muss zusätzlich eine Beratung und Abklärung der häuslichen Situation mit Einleitung angemessener Maßnahmen noch während des stationären Aufenthaltes erfolgen.
Die folgenden Therapiemodule können, je nach individuellem Krankheitsverlauf, zur Anwendung kommen:
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Regelmäßige Visiten und freie Sprechstunden Nach der Aufnahmeuntersuchung durch den behandelnden Arzt finden mehrfach wöchentlich ärztliche Visiten satt. Diese dienen unter anderem der Anpassung des Therapieplanes, der Anpassung der Rehabilitationsziele, der Überprüfung der Medikation. Psychosoziale Rahmenbedingungen des Erkrankungsverlaufes werden schrittweise weiter erfasst. Bei Bedarf kann sich jeder Patient zusätzlich an seinen betreuenden Arzt wenden.
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Regelmäßige Überprüfung der Wundheilung, Verbandwechsel Im Rahmen der regelmäßigen Visiten wird der Verlauf der Wundheilung überprüft. Regelmäßige Verbandwechsel sowohl am Thorax als auch an den Extremitäten (Unterschenkel, Unterarm) werden nach Anordnung durch den Stationsarzt durch die Pflegedienstmitarbeiter durchgeführt.
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Abgestufte Bewegungstherapie Ziele dieses Therapiemoduls sind die Verbesserung bzw. Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, Wiedereingliederung in normale Lebensabläufe, Abbau von Risikofaktoren, Aufbau von Schutzfaktoren sowie Motivation zum selbstständigen Weiterführen der körperlichen und sportlichen Aktivität am Heimatort. Eingeteilt werden die Patienten alternativ je nach Leistungsfähigkeit in folgende Belastungsgruppen:
– Hockergruppe (unter 15 Watt Leistung) – Gruppe A (15 - 30 Watt)
In den einzelnen Belastungsgruppen werden im Wochenablauf Aktivitäten in der Sporthalle, Terraintraining, Atemtherapie und in der Gruppe A monitorkontrolliertes Ergometertraining kombiniert. Schwimmen ist für mindestens sechs Wochen nach der Herzklappen-OP nicht möglich.
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Physikalische Therapie Bei starken Schmerzen, z. B. im Rücken nach Thorakotomie, werden Massagen mit Heißluft, Fango, Heusack angewendet. Gegen die Restbeschwerden nach einer länger dauernden Beatmung werden Inhalationen mit verschiedenen Therapeutica eingesetzt. Einzel-Krankengymnastik zur schrittweisen Mobilisation kommt bei sehr stark geschwächten Patienten zur Anwendung.
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Patientenschulung
Für Klappen-Patienten findet alle zwei Wochen das sogenannte Klappen-Seminar statt. Es werden Basisinformationen zu Herzklappenerkrankungen, der Notwendigkeit einer antibiotischen Endokarditis-Prophylaxe und der Marcumar-Therapie gegeben. Seminare zur Gesundheitsinformation werden von dem interdisziplinären Rehabilitationsteam durchgeführt. Es findet mindestens ein Seminar pro Wochentag statt, angeboten werden unter anderem Informationen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Therapiemöglichkeiten, theoretische Aspekte zur Bewegungstherapie und ambulanten Herzgruppen, herzgesunde Kost, Theorie und Praxis von Entspannungstherapie sowie psychosozialen Schutz- und Risikofaktoren. Die Gesamtheit der Seminare läuft unter der Überschrift "Curriculum zur Erarbeitung eines gesundheitsfördernden Lebensstils".
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Die Wirksamkeit unserer Schulung wurde inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen.
Um sich das Poster, welches in Zusammenarbeit mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg entstanden ist, anzeigen zu lassen, klicken Sie bitte auf die Miniansicht.
Es wurde am 06./07. November 2008 auf der Jahrestagung des Zentrums Patientenschulung in Würzburg vorgestellt. Es zeigt die Entwicklung und formative Evaluation eines Curriculums. |
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– Ruhe-EKG – Belastungs-EKG (je nach Alter der Patienten und in Abhängigkeit von OP Datum sowie der linksventrikulären Funktion erst am Ende der AHB, maximal 75 Watt) – Echokardiografie (2D-TM-FDE) – Sonografien (Abdomen, Schilddrüse, Carotiden, periphere Gefäße) – Langzeit-EKG – Langzeit-Blutdruckmessung
In Kooperation mit den Soester Krankenhäusern: – Vorstellung in der chirurgischen Ambulanz – Röntgenuntersuchungen – Schrittmacherüberrüfungen – Laborkontrollen – Dialysebehandlung – Gastro- und Coloskopien – Bronchoskopien
Zusätzliche Therapiemodule – Sozialdienstberatung im Hause – Psychotherapeutische Einzelgespräche durch unsere Klinikpsychologin – Psychosomatische Mitbehandlung (Psychosomatische Abteilung, Modul Psychokardiologie) – Orthopädische Mitbehandlung (Konsile im Haus) – Neurologische Mitbehandlung (Konsile im Haus) – Diabetikerschulung – Ernährungs-Einzelberatung – Ergotherapie
Nachsorge
Im Anschluss an die Rehabilitation ist die Teilnahme an einer ambulanten Herzgruppe am Heimatort dringend zu empfehlen. Inzwischen gibt es über 6000 solcher Herzgruppen in Deutschland. Wir vermitteln gerne Adressen der entsprechenden Gruppen in den jeweiligen Heimatorten der Patienten - in Merkblättern informieren wir über die Inhalte von Herzgruppenaktivitäten.
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