| Durch die neuere Forschung
scheint erwiesen, dass Tinnitus immer eine Störung der
zentralen Hörverarbeitung darstellt und niemals auf eine
Funktionsstörung im Innenohr zurückzuführen ist.
So hat Prof. Langner (Darmstadt) im Tierversuch nachgewiesen,
dass die dem Tinnitus zuzuordnenden Nervenaktivitäten sich
lediglich in der Hörrinde des Großhirns und dem Mandelkern,
einem Anteil des limbischen Systems, nachweisen lassen, nicht
aber in tiefergelegenen Anteilen der Hörbahn, ihrer Kerne
oder im Hörnerven.
Zu diesem Nachweis hat Langner bei Rennmäusen experimentell
einen Tinnitus ausgelöst, und zwar bei einer Hälfte
der Mäuse durch ein Knalltrauma (Schreckschusspistole),
bei der anderen Gruppe durch hohe Gaben von Acetylsalicylsäure
(ASS). Durch hohe Dosen von ASS kann regelmäßig ein
Tinnitus ausgelöst werden. Nach einer Injektion von radioaktiv
markierter Glukose (Traubenzucker) können die aktiven Gebiete
im Gehirn sichtbar gemacht werden, da die Aktivität Energie
erfordert und die Glukose sich in diesen aktiven Bezirken als
Energielieferant anreichert. Besonders erstaunlich war, dass
dieses Aktivitätsmuster – Hörrinde und Mandelkern
– bereits beim akuten Tinnitus nachzuweisen waren. Das
ist bis heute nicht plausibel erklärbar.
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