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Im Laufe der Jahre hat man alle möglichen Schädigungen
oder Erkrankungen des Mittelohrs, Innenohrs,
des Hörnerven oder Gehirns für Tinnitus ursächlich
verantwortlich gemacht.
Mittelohrerkrankungen
So können die verschiedensten Erkrankungen des Mittelohres
von Tinnitus begleitet sein, wie zum Beispiel die Otosklerose,
eine Verknöcherung im Verlauf der Gehörknöchelchenkette,
die dadurch einen Teil ihrer Flexibilität verliert; oder
das Cholesteatom, eine chronische Vereiterung des Mittelohres,
wodurch ebenfalls die Gehörknöchelchenkette geschädigt
werden kann.
Ebenso können verschiedene Erkrankungen des Nervengewebes
mit Tinnitus verbunden sein, wie beim Akustikusneurinom, einem
an sich gutartigen Tumor des Hörnerven, der allerdings
durch sein Wachstum und die damit verbundene Druckschädigung
Probleme bis zur Ertaubung des Ohres mit sich bringt; Schädel-Hirn-Verletzungen,
Fraktur der Felsenbeinpyramide oder die Multiple Sklerose, eine
degenerative Erkrankung des Zentralnervensystems, können
ebenfalls von Tinnitus begleitet sein.
Innenohrschädigungen
Am häufigsten finden wir Tinnitus allerdings im Zusammenhang
mit den verschiedensten Schädigungen des Innenohres, etwa
durch überstarke Lärmeinwirkung beim Schießen
ohne Gehörschutz, Silvesterfeuerwerk, aber auch bei Rockkonzerten
oder Diskothekenbesuchen. Man spricht von einem Knalltrauma,
das bei Lautstärken von 110 bis 120 Dezibel und mehr auftritt.
Ebenso kann chronische Lärmschädigung im Beruf zu
Tinnitus und Schwerhörigkeit führen, und zwar schon
bei deutlich niedrigerer Lautstärke als beim Knalltrauma
(85 Dezibel).
Vergiftungen
Gesichert ist, dass Vergiftungen einen Tinnitus hervorrufen
können, zum Beispiel durch einen übermäßigen
Gebrauch von Schmerzmitteln auf Basis von Acetylsalicylsäure,
durch verschiedene Antibiotika – besonders Tuberkulosemedikamente
– oder durch Lösungsmittel.
Störung der hörsensiblen Haarzellen<
Man nahm noch vor einigen Jahren an, dass es bei den verschiedensten
Schädigungen im Innenohr zu einer Funktionsstörung
im Bereich der hörsensiblen Haarzellen kommt, wodurch dann
Fehlströme als vermeintlich akustisch ausgelöster
Nervenreiz weitergeleitet und schließlich als Höreindruck
wahrgenommen werden. Diese Theorie hat ebenfalls keine Gültigkeit
mehr.
Keine gesicherten Erkenntnisse
Beim Hörsturz – einem plötzlichen teilweisen
oder totalen Hörverlust, oft verbunden mit Tinnitus –
sprach man früher von einem Innenohrinfarkt; damit war
eine Durchblutungsstörung bzw. ein Gefäßverschluss
in der sehr feinen Innenohrarterie gemeint. Die Theorie ist
heute weitgehend verlassen. Die Ursache für den Hörsturz
ist letztlich unbekannt.
Phantomschmerzen
Einiges spricht dafür, dass jede mögliche Funktionsschädigung
des Gehörs Auslöser für einen Tinnitus sein kann;
anders gesagt, dass Tinnitus die Antwort des Gehörs auf
eine Hörstörung ist. Hier wird dann der Vergleich
zum Phantomschmerz angeführt, was sicher einiges für
sich hat. Für diese Theorie würde auch sprechen, dass
Tinnitus bei Schwerhörigkeit und Taubheit deutlich häufiger
vorkommt als bei Normalhörigkeit. Das erklärt aber
nicht die ebenso häufigen Fälle, in denen Tinnitus
als alleiniges Symptom, also bei gänzlich unauffälligem
Gehör, in Erscheinung tritt.
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