Behandlungsbeispiel: Depressionen als Schlaganfall-Folge

Ein Erfahrungsbericht

Behandlungsbeispiel: Depressionen als Schlaganfall
 
  • Behandlungsbeispiel: Depressionen als Schlaganfall-Folge

    Ein Erfahrungsbericht

     
    Depressionen als Schlaganfall-Folge

    Altersgerechte psychosomatische Fachrehabilitation bei der Dr. Becker Klinikgruppe

    Behandlungsbeispiel: Depressionen als Schlaganfall-Folge
    Heide P. ist ein lebensfroher Mensch. Die 79-Jährige fühlt sich geistig ziemlich fit, löst gern Kreuzworträtsel und punktet beim wöchentlichen Senioren-Quizabend mit ihrem Wissen. Zwar ist die Rentnerin übergewichtig und bei Spaziergängen schnell außer Puste, doch ihren Haushalt und die alltäglichen Erledigungen kann sie selbständig meistern.

    Das ändert sich für Heide P. ohne Vorwarnung. Als sie sich am Sonntagnachmittag mit ihrer Familie zum Kaffeeklatsch trifft, erleidet die 79-Jährige einen Schlaganfall. Zum Glück reagieren die Verwandten blitzschnell und rufen den Notarzt. Im Krankenhaus wird Heide P. sofort operiert, damit ihre Hirnblutungen stoppen. Um die Schlaganfallfolgen zu reduzieren, erfolgt direkt im Anschluss eine vierwöchige neurologische Rehabilitation. Hier erhält die Rentnerin zum Beispiel logopädische Maßnahmen, um ihre Schluckstörungen in den Griff zu bekommen und wieder selbständig essen zu können. Da ihr Oberkörper linksseitig gelähmt ist, lernt sie in den Physio- und Ergotherapien, ihren linken Arm und ihre Hand wieder zu bewegen, so dass sie sich nach der Rehabilitation wieder selbst An- und Auskleiden kann.

    »Seit meinem Schlaganfall ist nichts mehr so wie früher. Es ist, als hätte ich mich schon aufgegeben«

    Trotz ihres Rehaerfolgs in der neurologischen Klinik ist für Heide P. nichts mehr so wie vorher. Als sie nach Hause zurückkehrt, isoliert sie sich zunehmend von ihrem sozialen Umfeld. Sie schlafe nicht mehr richtig und sei deshalb ständig müde, erklärt sie ihren Freundinnen, die sich anfangs noch regelmäßig nach ihr erkunden. Doch auch das lässt nach, da die Rentnerin nicht mehr ans Telefon geht und die Wohnung nicht mehr verlässt. Anstatt sich ihrem leidenschaftlichen Hobby, dem Malen zu widmen, sitzt Frau P. nur noch starr vor dem Fernseher.
    Der Weg in die Reha
    Ihre Tochter Maria P. beginnt sich Sorgen zu machen. Eines Tages kommt sie unangekündigt vorbei und verschafft sich mit ihrem Zweitschlüssel Zugang zur Wohnung. Bestürzt über die Lethargie ihrer Mutter, geht Maria P. noch am selben Tag mit ihr zum Hausarzt. Der vermutet eine reaktive Depression als Folge des Schlaganfalls. Um Heide P. aus ihrem Stimmungstief zu holen, empfiehlt er eine Rehamaßnahme in einer naheliegenden Klinik, die auf die Behandlung von „Post-Stroke-Depression“ spezialisiert ist. Gemeinsam mit Maria P. füllt er einen Rehaantrag für eine Kur in der Stadtlengsfelder Dr. Becker Burg-Klinik aus. Nach rund drei Wochen Wartezeit erhält Heide P. den positiven Bescheid der Krankenkasse.

    Nach einer ausführlichen ärztlichen und psychologischen Aufnahmeuntersuchung in der Rehaklinik kann der Befund des Hausarztes bestätigt werden. Es stellt sich heraus, dass Heide P. große Angst hat, erneut einen Schlaganfall zu erleiden und womöglich zum Pflegefall zu werden. „Seit dem Schlaganfall ist nichts mehr wie früher. Ich fühle mich, als hätte ich vor dem Leben bereits resigniert“, sagt sie traurig.
    Die Reha
    Für Heide P. ist es ein Lichtblick, bald wieder den Pinsel in die Hand zu nehmen
    Anfangs fällt es Heide P. schwer, mit ihren Mitpatienten, den Ärzten und Therapeuten in Kontakt zu treten. Sie ist verschlossen und bringt kaum ein Wort über die Lippen. Doch schon bald löst sich ihre Zurückhaltung, als sie in den Therapien erste Erfolge erzielt und neuen Lebensmut schöpft. So arbeitet sie zum Beispiel in der Ergotherapie gezielt darauf hin, ihre Feinmotorik in der linken Hand zu verbessern. Da Heide P. Linkshänderin ist, hat sie die Sensibilitätsstörung nach ihrem Schlaganfall von ihrem liebsten Hobby, dem Malen, abgehalten. „Für mich bedeutet das Malen alles. Es ist ein kreatives Ventil, das mit hilft, meine Erlebnisse zu verarbeiten“, erzählt sie. Für Heide P. ist es ein Lichtblick, bald wieder den Pinsel in die Hand nehmen zu können.

    Über ihre Ängste und Sorgen spricht die 79-Jährige in den Einzel- und Gruppenpsychotherapien. Hier knüpft sie wieder erste Sozialkontakte, die ihr aus ihrer Isolation heraushelfen. Im Austausch mit den Mitpatienten kann Heide P. ihre sozialen Hemmungen überwinden. Insbesondere das „Depressionsbewältigungsseminar“ hilft ihr, ihre Krankheit ernst zu nehmen und zu verstehen. Außerdem erkennt sie jetzt, dass sie nicht ohnmächtig ist und ihre Gesundheit mitbeeinflussen kann. „Irgendwann hat es bei mir ‚Klick‘ gemacht und ich habe gemerkt, dass ich mich noch nicht aufgeben will! Die Reha hat mich bestens dafür gerüstet, mein Leben gesundheitsbewusst zu gestalten“, erzählt Heide P. So helfen ihr zum Beispiel die Gespräche mit den Diätassistentinnen und das Kochen in der Lehrküche dabei, ihre Ernährung umzustellen. Und bei der Bewegungstherapie – insbesondere der Tanztherapie – entdeckt sie ihre Freude an der Bewegung. Beim Hirnleistungstraining gelingt es der Rentnerin, ihre Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung deutlich zu verbessern. „Ein deutlicher Pluspunkt beim Kreuzworträtseln“, sagt sie augenzwinkernd. Außerdem findet Heide P. Gefallen an den Entspannungsübungen zur Progressiven Muskelentspannung. Die will sie in Zukunft auch zuhause anwenden.
    Ihr Fazit
    »Mit einem gesunden Lebensstil kann ich mein Schlaganfallrisiko reduzieren. Das weiß ich jetzt und werde es auch leben«, sagt die 79-Jährige entschlossen. Seit ihrer Heimkehr nimmt sie regelmäßig an der Seniorengruppe „Tanzen im Sitzen“ teil und genießt ihre täglichen Spaziergänge. Auch zu ihren Freundinnen hat Heide P. wieder Kontakt. Und die neuen selbstgemalten Aquarell-Bilder bringen Farbe in ihre Wohnung.