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    Unser Konzept

    Neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation (NNCHFR)
    mit oder ohne Beatmung

    Beleger, Zulassungen und Verträge
    Seit dem Frühjahr 2017 hat das Rheinisch-westfälische Zentrum für Frührehabilitation und Beatmung (RWZFB) seinen Betrieb als Krankenhaus aufgenommen. Dafür wurde es von der Bezirksregierung Köln in den Krankhausplan des Landes Nordrhein-Westfalen aufgenommen. Das RWZFB hat damit den Auftrag zur neurologischen Frührehabilitation mit Vorhaltung intensivmedizinischer Behandlungsmöglichkeiten für insgesamt 20 Planbetten erhalten.
    Voraussetzung für eine Behandlung in unserem Krankenhaus ist eine akut­stationäre frührehabilitative Behandlungsbedürftigkeit. Liegt diese vor, ist es einem überweisenden Krankenhaus nunmehr möglich, Patienten - bei entsprechender medizinischer Notwendigkeit - direkt an das RWZFB zu überweisen. Ein Antrag bei der Krankenkasse muss vorab nicht gestellt werden. Dies ermöglicht eine zügige Behandlung des Patienten und verbessert dessen Chancen auf eine zeitnahe Aufnahme der notwendigen Behandlungen und erhöht damit auch die Chancen auf einen höheren Rehabilitationserfolg.

    Das Krankenhaus mit der Akut-Frührehabilitation befindet sich in einer räumlich getrennten Station, durch eine große Beschilderung direkt als Akut-Frührehabilitation zu erkennen. Um eine optimale Versorgung für unsere akutstationären Patienten zu gewährleisten, sind wir eine Kooperation mit dem Kreiskrankenhaus Gummersbach und den Kliniken der Stadt Köln eingegangen.
    Rehabilitationsziele
    Die wichtigsten Rehabilitationsziele sind
    • schrittweise Entwöhnung vom Tracheostoma,
    • regelrechte Schluckfunktion mit oraler Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme,
    • Wachheit, Wahrnehmung der Umgebung und sichere Orientierung (z.B. zu Ort, Zeit und Person),
    • Muskeltonusregulation (Spastikbehandlung und Kontrakturprophylaxe) und Funktionsanbahnung in gelähmten Körperteilen,
    • stabile Kreislauffunktionen (durch z.B. Vertikalisierung und Rollstuhlmobilisation),
    • Entwöhnung von Beatmungsmaschinen (Weaning)

    Sollte die Entwöhnung von der maschinellen Beatmung nicht möglich sein, erfolgt in der Klinik die Anpassung an ein Heimbeatmungsgerät. So kann der Patient nach Abschluss der Rehabilitationsmaßnahme trotz Beatmung nach Hause oder in eine entsprechende Pflegeeinrichtung entlassen werden.
    Die Entwöhnungsquote von der maschinellen Beatmung bei Patienten der Phase B ist ein wichtiger Indikator im Qualitätsmanagement. Die Dr. Becker Klinikgruppe verfügt über langjährige Kompetenz in der Beatmungsmedizin. In zwei neurologischen Fachzentren (Bayern und Thüringen) der Phasen B bis D wurde in den Jahren 2012 und 2013 jeweils eine Weaning-Quote von 65 % erreicht. Es wurden insgesamt 20 Betten vorgehalten und rund 200 Patienten behandelt. Unser Case-Management erfasst die Weaning-Quote jährlich in einem Weaning-Formular unseres Patientendokumentationssystems. Halbjährlich erfolgt die Auswertung der Weaning-Quote mit Darstellung der Ergebnisse.
    Beatmungsleistungen
    Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ist derzeit eine der wenigen Frührehakliniken im Bundesland Nordrhein-Westfalen, die beatmungspflichtige Patienten der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation (NNCHFR) personell, technisch und räumlich versorgen kann.
    Immer wieder werden Patientinnen und Patienten, die mit Unterbrechungen oder dauerhaft beatmet werden müssen, zur Aufnahme angemeldet. Meist kommen diese Patienten aus dem unmittelbaren Einzugsgebiet der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, die hier behandelt werden müssen, damit die wohnortnahe Versorgung gewährleistet ist. Andererseits kommen Patienten in der sogenannten Weaning-Phase, d. h. zur Entwöhnung vom Respirator, zur Aufnahme. Sie müssen gegebenenfalls über einen begrenzten Zeitraum intermittierend beatmet werden. Vorrangiges Therapieziel ist stets das erfolgreiche Weaning. Diese Patientinnen und Patienten werden per Einzelfallentscheidung bei uns aufgenommen, wenn eine wohnortnahe neurologische Frührehabilitation notwendig ist.

    Sechs Betten in unserer Krankenhausabteilung halten derzeit alle notwendigen technischen Standards für die Erbringung von Beatmungsleistungen vor.

    Grundlage der in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik durchgeführten Leistungen sind die Qualitätsparameter zur neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation nach dem OPS 8-552).
    Folgende Beatmungsformen können gewährleistet werden bzw. finden im Rahmen des Weanings Anwendung:

    Kontrollierte Modi
    • (S) CMV + (synchronisierte kontinuierliche maschinelle Beatmung)
    • PCV + (druckkontrollierte Beatmung)
    synchronisierte intermittierende maschinelle Beatmung (SIMV)
    • SIMV+
    • PSIMV (druckkontrollierte SIMV)
    Modus SPONT (spontan)
    • ASV (Adaptive Support Ventilation)
    • DUOPAP (zweifach positiver Atemwegsdruck)
    • APRV (Beatmungsmodus zur Atemwegsdruckentlastung)
    • NIV (nicht invasive Beatmung), in Planung
    Umgang mit Problemkeimen
    Patientinnen und Patienten, die eine Besiedlung oder eine manifeste Infektion mit einem Problemkeim aufweisen, können im RWZFB aufgenommen werden. Besonders gefährdet sind hierfür Patienten, die lange Aufenthalte auf Intensivstationen mit mehreren Antibiotikatherapien hinter sich haben, oder immungeschwächte Patienten aus Pflegeheimen.
    Zu den bedeutendsten Problemkeimen zählen die folgenden Bakterienstämme:
    • Methicillin-resistenter Staphylococcus-aureus (MRSA)
    • Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE)
    • Extended-Spectrum Beta-Lactamase bildende Enterokokken (ESBL)
    • 3 MRGN (multiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 3 der 4 Antibiotikaklassen)
    Das RWZFB verfügt über einen Hygieneplan, der die Versorgung dieser Patienten mit aufwendigen Isolierungsmaßnahmen möglich macht. Zu den Mitteln der Wahl gehören die entsprechenden Desinfektionsmaßnahmen, die Behandlung der Patienten in Einzeltherapie und die pflegerischen Maßnahmen zur Dekontamination. Ein Auszug aus dem Hygieneplan, der die o. g. Problemkeime betrifft, ist im Anhang beigefügt.
    Entlassung des Patienten
    Die Entlassung der Patienten wird über den Sozialdienst nach der Methode des Case-Management organisiert. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Berufsgruppen.

    Die Entlassung erfolgt,
    • a) wenn der Patient nicht mehr krankenhausbehandlungsbedürftig ist, d. h. er die Eingangskriterien der Phase C erreicht hat,
    • b) wenn bei einem stagnierenden Weaning- und Rehabilitationsverlauf über mindestens 8-12 Wochen kein Rehabilitationspotenzial durch das multidisziplinäre Team erkenn- und dokumentierbar ist (BAR-Vorgabe),
    • c) oder wenn die mit dem Patienten oder Angehörigen definierten Rehabilitationsziele erreicht wurden und die poststationäre Versorgung der Patienten durch Kontaktaufnahme des Entlassungsmanagement mit den Kostenträgern geklärt ist. Hat der Kostenträger zugestimmt, wird zusammen mit der durch den Kostenträger vorgegebenen Heimbeatmungsfirma die Rückkehr des Patienten nach Hause vorbereitet.


    Bei vorliegenden Voraussetzungen (Rehafähigkeit, -bedarf, -prognose und Kostenübernahmeerklärung) kann die Weiterbehandlung in der Rehaabteilung der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik erfolgen.

    Wir sorgen für Sie auch nach dem Ende der Rehabilitation – Das Entlassmanagement nach Abschluss der neurologischen Frührehabilitation
    Wie geht es nach der Rehabilitation weiter? Knapp die Hälfte der Patienten, die schwerst betroffen in der neurologischen Frührehabilitation (Phase B) der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik aufgenommen werden, wechseln nach deutlicher Besserung in die Phase C, also in die Abteilung für weiterführende Rehabilitation, wo wir uns weiter um die Selbstständigkeit im Alltag bemühen.
    Wer aus der Frührehabilitation evtl. mit weiterem Pflegebedarf, nach Hause, in eine Pflegeeinrichtung oder in eine andere Klinik entlassen wird, der wurde auch bislang nicht in eine ungewisse Zukunft entlassen. Seit dem 1. Oktober 2017 sind alle Krankenhäuser verpflichtet, über ein standardisiertes Entlassmanagement den Übergang in die Zeit nach dem Aufenthalt vorzubereiten. In der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ist dies längst üblich. Dieser gesetzlichen Regelung hätte es deshalb für unser Haus nicht bedurft. Dennoch haben wir die bisherigen Prozesse an die Vorgaben des § 39 Abs. 1a S.9 SGB V angepasst.

    Zunächst ist wichtig, dass jeder Patient bzw. ein Bevollmächtigter in die Maßnahmen der Nachsorge einwilligt. Das ist deshalb nötig, da für die Organisation vieler Maßnahmen nach dem Aufenthalt persönliche Daten des Patienten und Informationen über die Erkrankung an Krankenkassen, Nachbehandler oder Kostenträger weitergegeben werden müssen. Während des gesamten Aufenthaltes schon hat ein spezialisiertes Team aus Fallmanagern, Sozialarbeitern und Hilfsmittelberatern den Entlassungstag im Auge und organisiert die notwendigen Schritte, damit nach der Entlassung die weitere Behandlung nahtlos fortgesetzt werden kann.

    Hilfs- und Heilmittel, aber auch Medikamente dürfen neuerdings, wenn auch nur in ganz kleinen Mengen, für die Tage nach der Entlassung verordnet werden. Auch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für "die Tage danach" darf bei Entlassung ausgestellt werden. Wenn es sich um genehmigungspflichtige Hilfsmittel oder die weitere stationäre Pflege schalten wir die richtige Stelle bei Ihrer Kranken- oder Pflegekasse ein. Diese kümmert sich dann hoffentlich unverzüglich um das Anliegen der Patienten.

    Und wenn mal nach der Entlassung noch Fragen zur Weiterbehandlung offen bleiben? Auf den Entlassungspapieren finden Sie eine Telefonnummer, unter der Sie Antworten erhalten können.
    Qualitätssicherung und -management
    In der Einrichtung und Pflege eines umfassenden Qualitätsmanagement-Systems wird ein wichtiges Instrument gesehen, notwendige Entwicklungen voranzutreiben, Strukturen zu verbessern, Prozesse effektiver zu gestalten und gesetzte Ziele zu erreichen.
    Es setzt darauf, dass alle qualitätsrelevanten Parameter
    • der Strukturqualität,
    • der Prozessqualität und
    • der Ergebnisqualität
    einer regelmäßigen Überwachung und Verbesserung unterliegen.
    In der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ist das Qualitätsmanagement-System der DEGEMED etabliert. In diesem sind unter Einbeziehung des Modells der European Foundation for Quality Management (EFQM) die Qualitätsanforderungen der Leistungsträger und der DIN EN ISO 9001:2015 umgesetzt. Die Klinik ist seit 2004 zertifiziert und wurde im April 2019 zum 5. Mal rezertifiziert. Dadurch erfolgt die Behandlung der Patientinnen und Patienten nach anerkannt hohen und von unabhängiger Stelle überprüften Qualitätsstandards.

    Seit dem Jahr 2013 ist die Neurologische Frührehabilitation Phase B separat und ausdrücklich zertifiziert.
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      Für die interne Qualitätssicherung werden die Patienten regelmäßig befragt und die Ergebnisse an die beteiligten Abteilungen zurückgemeldet. Hinsichtlich der Ergebnisqualität werden ICF-orientiert mehrere Skalen, z. T. an der Diagnose orientiert, erhoben. Hierzu gehören:
      • (Frühreha-) Barthel-Index + Barthel-Index
      • Koma-Remissions-Skala (KRS)
      • Frührehabilitations-adaptierter Barthel-Index
      • Singer-Score
      • Mod. Ashworth-Scala zur Bemessung der Spastik
      • Functional independence measure (FIM)
      • Expanded Disability Status Scale (EDSS) bei MS-Betroffenen
      • Webster Rating Scala und Skala nach Höhn & Yahr bei Parkinson-Patienten
      • Erhebungsbogen zum Schweregrad des hirnorganischen Psychosyndroms (nach SCAG)
      Zudem wird jeweils stichprobenartig die Lebensqualität der behandelten Patienten unter Verwendung des SF-12 erhoben. Hierdurch wird ein klinikinternes Benchmarking im Längsschnitt erzielt.
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      Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik nimmt am übergeordneten unternehmensinternen Qualitätszirkel der Dr. Becker Klinikgesellschaft mit weiteren neurologischen Kliniken in Bad Windsheim (Dr. Becker Kiliani-Klinik) und in Bad Essen (Dr. Becker Neurozentrum Niedersachsen) teil.

      Zudem werden abteilungsübergreifend und in Zusammenarbeit mit mehreren Dienstleistern und vertraglich gebundenen Institutionen Hygienefragen durch dafür qualifiziertes Fachpersonal sowie einen Hygienebeauftragten Arzt mit Vertreter sowie Arbeitssicherheitsbeauftragtem mit Vertreter ärztlich wie pflegerisch thematisiert und überprüft.
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      Die von der LAG NeuroReha herausgegebenen Qualitätskriterien basieren auf den Ergebnissen der Versorgungsforschung aus den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen. Sie werden im RWZFB umgesetzt.
    Weitere Informationen
  • RWZFB
    Krankenhausabteilung
     
    Höhenstraße 30
    51588 Nümbrecht
     
    (0 22 93) 9 20-5 00
     
     
    Neurologisch-neurochirurgische Frühreha (NNCHFR) in NRW
    Infografik zur neurologisch-neurochirurgischen Frühreha