• Aktiv und fit: Wieder selbstständig leben

    Als ich wegen eines Aneurysmas in der rechten äußeren Halsschlagader operiert werden musste, war ich 20 und gerade von zuhause ausgezogen

     
    Als ich wegen eines Aneurysmas in der rechten äußeren Halsschlagader operiert werden musste, war ich 20 und gerade von zuhause ausgezogen. Fünf Wochen zuvor hatte ich eine Ausbildung zum Krankenpfleger angefangen, um die Wartezeit zum Medizinstudium zu überbrücken. Bei der Operation platzte das betroffene Blutgefäß und ich bekam einen Schlaganfall. Nach zwei Tagen im Koma wachte ich wieder auf. Um mich herum standen ein Dutzend Leute, die mich besorgt ansahen. Niemand wusste, wie ich den Eingriff überstanden hatte und welche Schäden ich davontragen werde. Als erstes merkte ich, dass das Gefühl in der linken Körperhälfte komplett weg war – ich war halbseitig gelähmt. Ich konnte nichts mehr und fühlte mich dabei wie ein kleines Kind. Mir wurde bewusst, dass ich bei allem Hilfe brauchen würde und ich nicht mehr alleine lebensfähig war.

    Bevor ich in die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik kam, war ich für drei Monate zur Intensiv-Reha in einer anderen Klinik. Dass ich danach nach Nümbrecht zur Reha gehen konnte, war ein Glücksfall für mich, da meine Eltern nur zwei Minuten zu Fuß entfernt wohnten. So konnte ich eine teilstationäre Reha machen und zuhause mittagessen und übernachten. Die Reha zu machen war also fast wie zur Schule gehen.
    In winzigen Schritten zurück ins normale Leben
    Zu Beginn der Reha in der Rhein-Sieg-Klinik saß ich im Rollstuhl. Gehen konnte ich zwar schon wieder ein bisschen, aber ich war noch sehr unsicher und wackelig. Außerdem hatte ich noch heftige Schmerzen. Durch die Verspannungen aufgrund der Halbseitenlähmung habe ich Cluster-Kopfschmerzen bekommen, die so schlimm waren, dass ich tagelang nur dalag. Vor allem Fango und Massagen haben mir dann sehr dabei geholfen, die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Als es nach und nach besser wurde, ging ich hoch motiviert zu den Therapien. Mit der Zeit kam das Gefühl in meiner linken Seite immer mehr zurück. Trotzdem musste ich anfangs über jede noch so kleine Bewegung nachdenken, um sie überhaupt ausführen zu können. Mir wurde immer mehr klar, dass es bis zu den richtigen Erfolgen extrem lange dauern würde. Lange hatte ich auch große Existenzängste, weil ich nicht wusste, wie es weitergeht und was später mit mir passiert.
    Die Reha hat richtig Spaß gemacht
    Mit viel Physio- und Ergotherapie habe ich langsam Fortschritte gemacht, so dass ich auch an den verschiedenen Sportgruppen teilnehmen konnte, was mir sehr gefallen hat. Schon bevor das alles passiert ist, bin ich immer gerne zum Sport gegangen. In der Gruppe haben wir Spiele wie Tennis, Fußball, Basketball oder Federball gespielt oder Koordinationsübungen gemacht. Sehr wichtig war für mich auch das Schreibtraining, denn ursprünglich war ich eigentlich Linkshänder. Es war zwar mühsam, aber das Training in der Reha hat mir sehr dabei geholfen, dass ich jetzt mit rechts schreiben kann. Viel Spaß hatte ich auch bei den Therapien mit den neuen technischen Geräten. Für den Armtrainer Armeo oder den Handtutor zum Training der Handbewegungen mithilfe von Computerspielen war ich sogar der Proband bei der Einführung.

    Der Spaß, den ich in der Reha hatte und das tolle Verhältnis zu den Klinikmitarbeitern haben eine Menge dazu beigetragen, dass ich gerne in die Klinik gegangen bin und mich über viele kleine Therapieerfolge freuen konnte. Die Reha in der Rhein-Sieg-Klinik habe ich als sehr persönlich erlebt – nicht nur weil ich in der Gegend aufgewachsen bin. Auch die Therapeuten und Mitarbeiter, die ich nicht schon von früher kannte, haben viel für mich getan und es wurde immer Rücksicht auf meine Wünsche genommen. Besonders motiviert haben mich die Gespräche mit dem Chefarzt Dr. Ebke. Er hat mich immer wieder aufgebaut und es mit ständig neuen Ideen geschafft, noch mehr Leistung aus mir herauszukitzeln, um schnellere Fortschritte zu bewirken. Das war alles auch menschlich sehr beeindruckend und im Grunde genommen hatte ich eine sehr schöne Zeit, trotz der Erkrankung.
    Wenn ich ungeduldig werde, hilft mir ein Blick in die Reha-Kiste
    Insgesamt war ich über einen Zeitraum von einem Jahr und zwei Monaten von Anfang 2011 bis Mitte 2012 zur Reha in der Rhein-Sieg-Klinik. Danach hatte ich zuerst die berufliche Wiedereingliederung in meine Ausbildung als Krankenpfleger nach dem Hamburger Modell versucht. Aber ich habe schnell gemerkt, dass es mir mental nicht gut tut, auf einer Krankenhausstation zu arbeiten. Es kamen Erinnerungen an die Zeit direkt nach der Operation hoch und das hat mich schon sehr belastet. Außerdem konnte ich einige Arbeiten aufgrund meiner körperlichen Einschränkung nicht mehr erledigen. Deshalb habe ich mich entschieden, die Ausbildung nicht fortzusetzen und auch das Medizinstudium war keine Option mehr für mich. Seit August 2012 mache ich eine Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen und danach möchte ich Gesundheitsökonomie studieren. Damit fühle ich mich sehr wohl, weil ich mich mit Gesundheitsthemen beschäftigen kann, ohne direkt auf einer Krankenhausstation arbeiten zu müssen.

    Ich wohne jetzt auch wieder in einer eigenen Wohnung, kann wieder Fahrrad fahren, Sachen tragen, wie zum Beispiel Getränkekisten oder den Wäschekorb, Geschirr spülen – eigentlich alles, um mich wieder selbstständig zu versorgen. Zweimal die Woche gehe ich weiterhin zur ambulanten Reha in Bonn, wo ich auch meine Ausbildung mache. Mein großes Ziel ist es, irgendwann wieder rennen zu können. Das klappt noch nicht, weil die körperlichen Abläufe noch nicht stimmen. Abgeschlossen ist die Reha wohl nie und die 100 Prozent werde ich wahrscheinlich nicht mehr schaffen. Aber ich versuche, möglichst nahe heran zu kommen. Und wenn ich mal ein Tief habe, schaue ich einfach in meine Kiste, in der ich alles gesammelt habe, was ich in der Reha in der Ergotherapie gemacht habe. Wenn ich die ganzen Bilder, Holzfiguren und die vielen anderen selbstgemachten Sachen sehe, wird mir wieder bewusst, was ich alles schon geschafft habe und das baut mich dann sofort wieder auf.

    Ich hoffe, dass meine Geschichte anderen Menschen hilft und ihnen Mut macht, für ihre Gesundheit zu kämpfen – auch wenn es ein langer Weg ist.

    Alexander M.
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